von Fabiana Seitz
am 25. Mai 2017
5 Minuten Lesezeit

Mit 16 Jahren das erste Mal beruflich hinter der Kamera, mit 22 Jahren eine eigene Filmproduktionsfirma und bereits heute über 50 Filme: Dan Mace gilt als einer der meistgefeierten jungen Filmemacher Südafrikas. Mit seinen Dokumentar-, Musik- und Werbefilmen trifft der Kapstädter genau den Nerv der Zeit und sein YouTube Channel DanTheDirector zählt bereits über 70 Tausend Abonnenten. Cannes steht diese Tage ganz im Zeichen des Films und Talente wie Dan Mace beweisen, dass auch Afrika durchaus sehenswerte Filme machen kann. Spätestens seit er letztes Jahr gleich zwei Preise in den Süden Afrikas holte, lohnt es sich, dem Regisseur ein paar Fragen zu stellen. Uns verrät er, warum er sich trotz anscheinend fehlendem Talent dem Film verschrieben hat und worin er die Zukunft des afrikanischen Films sieht.

Für den Kurzfilm Gift gewann Dan Mace letztes Jahr in Cannes den Silver Screen Young Directors Award.

Wie kamst du zum Film?

Ich hatte eigentlich schon immer eine andere Sicht auf die Welt. Als ich eines Tages realisierte, dass ich genau diesen etwas anderen Blick mit einer wunderbaren Form von visueller Kunst – genannt Film – einfangen kann, war es um mich geschehen. Mit meinen Filmen kann ich meinen Gedanken eine Stimme geben, welche von vielen Menschen gehört wird. Die Filmschule in Kapstadt verließ ich bereits nach einem Jahr wieder, da mir gesagt wurde, ich hätte keine Zukunft in der Filmbranche. Außerdem bin ich einfach nicht der Mensch, der sich an die strengen Richtlinien der Filmakademiker hält. So gründete ich meine eigene Filmproduktionsfirma „If Not Why Not“, wandte mich neuen Formen wie YouTube und Online-Filmen zu und fokussierte mich auf aktuelle Themen. Es läuft ziemlich gut und ich kann mir kein besseres Leben vorstellen: Ich reise um die Welt, um die Leute mit meinen Geschichten zu inspirieren.

Alle Fotos von Dan Mace.

Wie steht es deiner Meinung nach um den südafrikanischen Film?

Der südafrikanische Film ist echt und authentisch. Wir haben hier einfach nicht die Infrastruktur, um Blockbuster à la Hollywood zu produzieren, so erzählen wir lieber reale Geschichten ohne den ganzen technischen Schnickschnack. Sogar in der Werbebranche wird dies deutlich, man findet keine realitätsnahere Werbung als in Südafrika. Wir südafrikanischen Filmemacher sind spezialisiert auf Unterschiede und Kontroversen. Je mehr kulturelle und ethnische Vielfalt wir in unserem Land finden, desto wichtiger ist es, diese Differenzen nicht als Problem darzustellen, sondern zu feiern. Ich bin extrem gespannt, was die Zukunft mit sich bringt. Auch wenn viele ja behaupten, dass die „glorreichen Zeiten“ des afrikanischen Films vorbei seien, ich glaube, dass wir erst am Anfang von etwas ganz Großem stehen.

Wie kann der afrikanische Film noch besser werden?

Auf jeden Fall brauchen wir noch mehr Mut zum Experimentieren – auch von der Kundenseite.

Was war der schönste Moment in deiner bisherigen Filmkarriere?

Der Erfolg des Werbefilms für die Biermarke Tusker Lager. Wir machten uns damals nach Kenia auf, mit der Idee, eine Hymne aus den Klängen aller 42 afrikanischer Stämme zu kreieren. Wir hatten keine Ahnung, ob uns dies gelingen wird – umso schöner, als der Film dann tatsächlich stand und so erfolgreich war!

Welchen Klassiker der Filmgeschichte würdest du gerne neu verfilmen?

Gar keinen. Aus gutem Grund heißt es ja „Klassiker“.

 

Viele deiner Filme versprühen ein positives Lebensgefühl…

Mit meinen Filmen will ich die Menschen inspirieren, denn wir alle brauchen Inspiration und zwar eine positive. Im heutigen digitalen Zeitalter sind Angst und Niedergeschlagenheit stets präsent, jeden Tag hören und lesen wir von Leid und Ungerechtigkeit. Doch es gibt noch viel mehr schöne Dinge und genau diese will ich in meinen Filmen thematisieren.

Was ist deine Lebensphilosophie?

Denke nicht ständig daran, was hätte sein können, sondern lebe im Hier und Jetzt.

 

Als einziger afrikanischer Jungregisseur konntest du letztes Jahr in Cannes gleich zwei Silver Screen Young Directors Awards nach Hause nehmen: Zum einen für den Kurzfilm Gift, zum anderen für den Dokumentarfilm Bomb-Sniffing Rats. Wie war es denn in Cannes letztes Jahr?

Irrsinnig. Bei einem so wichtigen Filmfestival wie Cannes dabei zu sein, das ist der Traum jedes Filmemachers. Und es gibt mir umso mehr Kraft und Inspiration für alle Projekte, die ich in Zukunft in Angriff nehme.

Auf was dürfen wir uns denn freuen?

Ich starte gerade meinen wöchentlichen Vlog (Video-Blog) auf YouTube. In 52 Wochen will ich mit 52 Episoden die Welt aus Sicht eines Filmregisseurs darstellen. Mein Ziel ist es, die Eine-Million-Marke an Abonnenten zu durchbrechen. Auch viele weitere spannende Jobs warten auf mich – also ja, das Leben meint es gut mit mir.

Was kannst du angehenden Filmschaffenden mit auf den Weg gehen?

Die härteste Lektion, die ich lernen musste… Ein Film entsteht nicht über Nacht. Die Idee kann vielleicht über Nacht (oder sogar in wenigen Minuten) entstehen, aber diese leinwandtauglich zu machen, ist eine lange und anstrengende Mission.

Um erfolgreich zu sein, musst du… dich auch mal von guten Ideen trennen. Wenn ich jede Idee, die mir so einfällt, umsetzen wollen würde, dann hätte ich keine Zeit mehr für die „richtig“ guten Ideen.

Der beste Ratschlag, den ich je bekam… Mach mehr. Jeden Tag.

 

Was erhoffst du dir von der Zukunft?

Ganz ehrlich: Ich will einfach Filme machen, welche die Leute dazu anregen, etwas zu verändern. So klischeehaft es auch klingt, Film kann genau diese Veränderung vorantreiben. Wenn man alle Menschen in Südafrika filmt, die etwas in ihrem Umfeld bewirken, würde sich die Gesamtwahrnehmung unseres Landes verändern und uns gleichzeitig als Nation verbinden.