von Fabiana Seitz
am 8. Juni 2017
3 Minuten Lesezeit

Auf Safari lassen sich so einige Tiere sichten und besonderes eine Begegnung mit Afrikas „Big Five“ – Leopard, Löwe, Büffel, Nashorn und Elefant – stellt ein unvergessliches Erlebnis dar. Doch was, wenn zwei der Großen Fünf aufeinandertreffen? Der Schweizer Hanspeter Lang aus Birr hatte zusammen mit seiner Frau die Ehre, einem solchen tierischen Tête-à-Tête beizuwohnen. Zu unserem Glück hatte er seine Kamera schnell zur Hand und liess uns im Rahmen des Fotowettbewerbs Africa´s Photographer of the Year an diesem besonderen Moment teilhaben. So erfahren auch wir, was es bedeutet, wenn sich die Wege von Elefant und Nashorn kreuzen…

Es war an einem Nachmittag im Oktober 2016. Hanspeter Lang und seine Frau verbrachten ihre Silberhochzeitsreise in Südafrika, unter anderem im Aquila Private Game Reserve, nur zwei Stunden von Kapstadt entfernt. Voller Vorfreude machten sie sich auf eine nachmittägliche Pirschfahrt. Und dann, um etwa 15.45 Uhr, tauchten plötzlich tiereische Kreaturen vor ihnen in der afrikanischen Buschlandschaft auf: Zwei Nashörner, Mutter und Kind.

Alle Fotos von Hanspeter Lang aus Birr (CH).

Alle Fotos von Hanspeter Lang aus Birr (CH).

Nicht weit davon entfernt ließ sich ein junger Elefant blicken – von seinen Artgenossen weit und breit keine Spur.

Als begeisterter Hobbyfotograf zückte Hanspeter Lang seine Kamera und vorsichtig näherten sie sich den imposanten Tieren, um ein oder zwei schöne Nahaufnahmen fürs Fotoalbum zu schießen. Kein einfaches Unterfangen vom fahrenden Geländewagen aus. Doch wer hätte gedacht, welches Naturschauspiel sich gleich bieten würde?

Urplötzlich nahm der junge Elefant Anlauf und rannte direkt in Richtung der beiden Nashörner. Ganz schön furchteinflößend, wenn da ein grauer Koloss mit hocherhobenem Rüssel und schwingenden Ohren in hoher Geschwindigkeit auf einen zugelaufen kommt.

So dramatisch diese Bilder wirken, laut Ranger wollte der kleine Rabauke bloß ein bisschen raufen. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass männliche Elefanten sich im Verlauf ihrer Jugend von ihren Müttern abgrenzen und ihre Grenzen austesten. Dieses draufgängerische Verhalten ist unter Safari-Kennern auch als „Musth“ bekannt: Der Testosteronspiegel kann in diesem Zustand bis zu 60 Mal höher als gewöhnlich sein und Elefantenbullen erweisen sich als ganz schön launisch und rabiat – auch gegenüber anderen Tieren.

Das ließ sich Mama Rhino natürlich nicht gefallen. Spielen hin oder her – es gibt gewisse Grenzen. Voll Erhabenheit verteidigte die Mutter ihr Kleines. Das Baby Nashorn blieb während des Kräftemessens völlig unbeeindruckt.

Bei solcher Siegessicherheit musste dann auch der graue Riese klein beigeben. Schien wohl doch nicht mehr so viel Spaß zu machen…

Zu Ihrer Beruhigung (denn wir wollen schließlich nicht aus einer Mücke einen Elefanten machen): Bei diesen Aufnahmen blieben alle Beteiligten unverletzt. Der Raufbold verzog sich dann schmollend, blieb aber trotzdem noch eine Weile in der Nähe der beiden Nashörner stehen. Gemäß Hanspeter Lang ließen sich im Game Reserve kaum andere Elefanten sichten. War der kleine Elefant also bloß einsam und suchte Kontakt? Es wurde erwiesen, dass junge Elefantenbullen ein besonders provokatives Verhalten zeigen, wenn sie ohne männliche Rollenvorbilder aufwachsen. Diese Aufnahmen beweisen also: Älterwerden ist kein Kinderspiel – auch nicht für Elefanten.

Vielen lieben Dank an Hanspeter Lang für diese wunderbaren Bilder und die tolle Geschichte dahinter!