von Romana Bleisch am 28. August 2017
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Beim diesjährigen „Challenge4ACause“-Fahrradrennen quer durch die Wüste Namibias, konnten wir wieder zahlreiche Spenden unter anderem für den „Save the Rhino Trust“ sammeln. Dieser widmet sich dem Schutz des vom Aussterben bedrohten und in Namibia lebenden Wüstennashorns. Unsere Teilnehmerin Julia Geffers hat ihre Erfahrungen aus dem sechstägigen Fahrradrennen für „Challenge4ACause“ mit uns geteilt. Julias eindrucksvollen Erfahrungsbericht möchten wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten:

Julia Geffer bei der Challenge4ACause mit Fahrradhelm in der Wüste Namibias

Teilnehmerin Julia Geffers

Meine Begegnung mit der Namib-Wüste war einer dieser unglaublichen Momente, in denen man spürt, dass es ein Vorher und ein Nachher geben wird. Es ist unmöglich, der ältesten Wüste auf diesem Planeten zu begegnen, sich sechs Tage lang in ihr zu bewegen, zu leben, ohne durch eine Transformation zu gehen. Einen Schritt weiter in Richtung Selbstfindung und Introspektion, aber auch erkunden der eigenen Grenzen, erkennen der eigenen Kraft und Messen der Stärke des Willens aber auch des Körpers.

Die Namib kennt mich nun und weiß, wer ich bin – sie hat mir ihre Schönheit, ihre Geheimnisse und ihre Härte gezeigt. Sie hat mir Angst eingeflößt und mir Glück beschert. Allein ist sie nicht zu meistern, aber mit einer Gruppe Menschen, die als Fremde kommen und als Freunde wieder gehen, lässt sie es zu, bezwungen zu werden. Aber auch mit den vielen Personen um einen herum, die Zelte aufbauen und verpflegen, mit denen man sich durch sie kämpft: Letztendlich ist man allein mit ihr und sich selbst.

Drohnenaufnahme von Challenge4ACause: Die Fahrer legen eine Pause ein

Drohnenfoto Challenge4ACause

Schaffe ich es? Kann ich das? Will ich das? Wer ist stärker als Hitze, Kälte, Anstrengung, Wille oder Beine? Werde ich heute das Ziel erreichen? Werde ich stürzen? Jeden Morgen wacht man mit diesen Fragen auf und bereitet sich noch im Dunkeln auf den Tag vor. Essen muss ich, auch wenn ich keinen Hunger habe, Porridge und Honig – ein bisschen wie zu Hause. Aber hier muss ich auf Steine, auf Skorpione und vielleicht Schlangen achten, wenn ich von meinem eigenen Zelt zur gemeinsamen Plane laufe, um zu frühstücken.

Wir steigen im Morgengrauen auf das Rad – einige sprechen, viele schweigen, jeder ist bei sich und sucht sich seine Kraft und seine Konzentration. Denn Konzentration ist sehr gefragt: Sie ist nötig, um unentwegt auf den Weg zu achten. Es geht über Sand und Steine, mal steil und mal weniger, bergauf und bergab. Kraft, Beweglichkeit und Fokus sind jederzeit gefragt. Manchmal muss das Rad getragen werden, hin und wieder ist man verloren in der großen Wüste und muss den richtigen Weg erst wiederfinden.

Teilnehmer mit roten Ballons an ihren Fahrrädern

Teilnehmer Challenge4ACause

Jeden Morgen wissen wir, was uns erwartet. Und eigentlich doch nicht! Man kann es nicht wissen, man weiß nicht, wie Kopf und Körper reagieren werden. Man weiß in etwa wie viele Kilometer zurückgelegt werden, und doch ist die Angabe nie genau. Du hoffst, vor 13 Uhr im nächsten Camp anzukommen, denn die Hitze ist später nicht auszuhalten – aber ob es zu schaffen ist, ist ungewiss.

Den Augen bieten sich wunderbare, dramatische Landschaften: Steinwüste, Sandwüste mit dem Sand der fernen Kalahari, Berge und Flussbetten; ab und zu sogar ein Haus … Rottöne, Brauntöne, ein knallblauer Himmel, die Sonne in Nuancen von Orange, Gelb und unglaublich heiß …

Wir radeln und aus den Fremden, die wir am ersten Tag waren, ist ein Team geworden – jeder kämpft für sich, aber doch kämpfen wir alle gemeinsam, denn nur gemeinsam wollen wir das Ziel erreichen.

Jeder hat eine andere Geschichte, eine unterschiedliche Motivation, hier zu sein und wahrscheinlich auch ein anderes Ziel vor Augen – aber der Weg ist für alle der gleiche!

Teilnehmer von Challenge4ACause fahren durch die einsame Wüste Namibias

Telnehmer in Action – Challenge4ACause

Wie wir ihn bewältigen ist aber grundverschieden: Im Schweigen, im Erzählen, im Teilen, mit Musik oder nur auf die Geräusche der Natur und der Räder hörend – jeder findet seine Kraft woanders, aber schlussendlich ist sie für alle auf das gleiche Ziel fixiert: Diese Wüste zu erleben!

Nach vier bis sechs Stunden kommt man endlich im Camp an – noch ist nicht alles fertig, aber der Schatten ist da, ein kühles Getränk, die anderen Mitstreiter – man entspannt, teilt seine Abenteuer mit und freut sich, einen weiteren Tag geschafft zu haben!

Hunger hat man nie und doch unentwegt, denn der Körper schreit nach Verpflegung und unsere Crew weiß dies, hat stets etwas Feines für uns parat. So viel Nahrung – sie wird verschlungen, aber doch genossen und man wundert sich: Wie kann ich so viel essen? Weshalb bin ich immer hungrig? Alle zwei Stunden mehr oder weniger muss ich etwas zu mir nehmen … Mein Körper verlangt danach.

Spitzmaulnashorn und Giraffe in der kargen Wüstenlandschaft Namibias

Spitzmaulnashorn trifft Giraffe

Dann irgendwann eine kurze Dusche mit einem Eimer Wasser in einer doch sehr praktischen Felddusche. Nie war das kühle Nass willkommener und mehr genossen! Dabei wird man in kürzester Zeit wieder sandig sein. Aber das macht nichts: Es ist die Namib, die sich unser annimmt und ihre Akzeptanz bedeutet, auch immer etwas von ihr mit uns herumzutragen.

Irgendwann – sehr früh – verabschiedet sich die Sonne von uns mit immer wieder spektakulären Sonnenuntergängen; mal hinter einem Berg, mal vor einer Düne … immer majestätisch und atemberaubend schön. Und der Tag wird vor unseren Augen noch einmal Revue passieren. Auch hier jeder von uns auf seine Art – sei es im Anstoßen mit den Mitstreitern, sei es allein in Gedanken, sei es in tiefen Gesprächen mit Einzelnen … oder sind wir vielleicht noch gar nicht bereit, den Tag ausklingen zu lassen und können ihn noch nicht abschließen?

Ein atemberaubender Sternenhimmel samt Blick auf die Milchstraße in der Wüste von Namibia

Milchstrasse über der Wüste Namibias

Die Belohnung der Namib lässt nicht lange auf sich warten – denn sie beschert uns einen Himmel mit Sternen zum Greifen nahe. Man meint, nur die Hand ausstrecken zu müssen, um die Milchstraße zu berühren … Sterne, deren man nie überdrüssig wird. Im Spiel mit dem Fotoapparat merkt man schnell, dass auch sie sich unentwegt bewegen – genauso wie die Emotionen und Gedanken in uns.

Ein Lagerfeuer, um welches das Team sich vereint, ist die Zeit, den Tag gehen zu lassen und sich auf den Morgigen vorzubereiten. Das Feuer wärmt die kühlen Nächte und entfacht die Vorfreude: Morgen darf ich wieder raus – die Namib erkunden. Und wieder stelle ich mir die Fragen: Werde ich es schaffen? Was werde ich sehen? Wann werde ich das morgige Ziel erreichen?

Nashornskelett mit Horn in der Wüste

Nashornskelett in der Wüste