von Katharina Riebesel am 11. Oktober 2017
10 min read

Sie gehören zu Afrika wie Ebbe und Flut zu Hamburg oder das Oktoberfest zu München. Die „Big Five“ bestehend aus Löwe, Nashorn, Leopard, Büffel und Elefant sind das Highlight einer jeden Safari.

Eine Fotocollage der „Big Five“: Löwe, Nashorn, Leopard, Büffel und Elefant

Die „Big Five“ auf einen Blick

Doch wieso werden diese fünf Tiere eigentlich so genannt? Dies und viele weitere interessante Fakten über Simba & Co erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.

Löwe

Männlicher Löwe mit beeindruckender Mähne sitzt im Gras

Der König der Tiere, Foto: Brooke Davis

Elegant setzt der Löwe eine Pfote nach der anderen aufs Gras. Gemächlich, dennoch zielstrebig schreitet er auf die frisch erlegte Beute zu. Um ihn herum liegt hechelnd ein halbes Dutzend Löwinnen. Die Weibchen jagen, das Männchen darf als erstes fressen – dieses Klischee trifft jedoch nicht immer zu. Der Panthera leo gehört zu den Großkatzen und sorgt bei kleinen wie großen Safari-Teilnehmern stets für pure Begeisterung.

Ein Rudel Löwinnen fressen einen Büffel

Erfolgreiche Jagd, Foto: Foto: Mike Walsh

Das größte Landraubtier Afrikas erreicht eine Schulterhöhe von etwa 120 Zentimetern sowie ein Gewicht von rund 190 Kilogramm. Die Weibchen verfügen über einen weitaus grazileren Körperbau, was ihnen einen Vorteil beim Jagen verschafft.

 Tolle Sichtung bei einer Pirschfahrt: Ein Rudel Löwinnen mit Babys laufen einen Weg entlang

Highlight eines jeden Afrika-Urlaubs, Foto: Londolozi Private Game Reserve

Safari-Experten wissen, dass Löwen vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung oder nachts auf Jagd gehen. Dies sollten Sie beim Buchen von Pirschfahrten unbedingt berücksichtigen – The lion sleeps eben nicht immer tonight. Zebras, Büffel, Gnus, Antilopen und Gazellen sind gängige Beutetiere der Raubkatzen. Doch selbst junge Elefanten, kleine Giraffen sowie Flusspferde und sogar Fische stehen manchmal auf der Speisekarte.

Eine Löwin in Botswana beobachtet eine Herde von Büffeln

Löwin plant ihre Jagd

Südlich der Sahara leben bis zu 30.000 Löwen in freier Wildbahn. Doch ihr Lebensraum ist bedroht. In der Serengeti ist mit 3.000 Tieren die größte Population zu Hause. Im südafrikanischen Timbavati Game Reserve, das an den Krüger Nationalpark angrenzt, werden immer wieder weiße Löwen geboren. Nein, sie sind keine Albinos, denn bei ihnen liegt kein Pigmentmangel, sondern eine Zellmutation vor. Im Nordwesten Namibias können Sie mit etwas Glück Wüstenlöwen erspähen.

Zwei kleine weiße Löwen spielen im Gras

Zwei kleine weiße Löwen, Foto: Pumba Water Lodge

Die wallende Mähne der Männchen schützt nicht nur vor Kälte, sondern spielt bei der Fortpflanzung eine wichtige Rolle:  Je länger und dunkler die Mähne ausfällt, desto attraktiver das Männchen. Ist die Löwin paarungswillig, geht es etwa alle 15 Minuten für rund fünf Tage hoch her. Ganz schön sportlich! Nach einer viermonatigen Tragezeit bringt die Löwin bis zu vier Junge zur Welt.

Löwin leckt ihr Junges

Körperpflege unter Löwen

Warum brüllen Löwen? Ganz einfach. Auf diese Weise erkennen sie ihre Artgenossen und kommunizieren miteinander.

Lions at Jamala

Unverwechselbare Geräuschkulisse im afrikanischen Busch

Nashorn

Nashorn mit Baby vor einem spektakulären Himmel

Scheue Dickhäuter, Foto: Chris Minihane

Rund ums Wasserloch ist alles still. Von einem abgetauchten Flusspferd ragt nur noch der Rücken aus dem Wasser. Plötzlich bebt die Erde. Ein halbes Dutzend Nashörner läuft um die Wette zum Ufer. Was für ein spektakuläres Safari-Erlebnis! Auf dem afrikanischen Kontinent leben zwei Arten: Breitmaul- und Spitzmaulnashorn. Die meisten von ihnen treffen Sie in Südafrika an. Strenggenommen gehört nur das Spitzmaulnashorn (Black Rhino) zu den „Big Five“.

Breitmaulnashorn mit Jungtier im grünen Gras vor einem See, in dem sich Flamingos tummeln

Breitmaulnashorn mit Nachwuchs

Das Breitmaulnashorn bekommen Sie bei einer Afrika-Rundreise allerdings am ehesten vor die Linse, gibt es von ihnen doch immerhin noch circa 20.000. Von den Spitzmaulnashörnern existieren hingegen lediglich nur noch rund 4.800. Leider befeuert die hohe Nachfrage aus dem asiatischen Raum nach ihren Hörnern die Ausrottung der Tiere in Afrika.

Wie unterscheiden Sie die Nashornarten? Breitmaulnashörner haben – wie der Name bereits verrät – ein breites Maul und ernähren sich hauptsächlich von Gras. Außerdem sind die Tiere mit einer Höhe von bis zu 1,8 Metern und einem Gewicht von über zwei Tonnen größer als Spitzmaulnashörner.

Nashorn mit langem Horn sucht nach grünem Gras

Beeindruckendes Horn, Foto: Dustin Horn

Spitzmaulnashörner sind Einzelgänger. Da die Tiere äußerst schüchtern sind, suchen sie meistens im dichten Busch Schutz. Sie fressen gerne Kräuter und Äste. Weibliche Nashörner sind dafür bekannt, dass sie ihre Jungen konsequent verteidigen. Wenn Sie einem Spitzmaulnashorn begegnen, sollte Sie schnellstmöglich auf einen Baum klettern, da die Tiere trotz ihres stämmigen Körperbaus eine Spitzengeschwindigkeit von 55 Kilometern pro Stunde erreichen können. Schade, dass sie den Wilderern nicht jedes Mal entkommen!

Zwei Breitmaulnashörner jagen sich gegenseitig

Breitmaulnashörner im Sprint, Foto: Bo Dabi

Woher wissen die Vertreter der „Big Five“, welche Artgenossen sich in der Nähe befinden? Misthaufen dienen Nashörnern als Kommunikationsmittel: Die Tiere haben keine guten Augen, können aber sehr gut riechen und anhand der Häufchen erkennen, wer sich wo befindet.

Leopard

Ein Leopard im Okavango Delta in Botswana dreht sich auf einem umgestürzten Baum um

Elegante Raubkatze, Foto: Chase Wells

Auf einer nächtlichen Pirschfahrt werden die Suchscheinwerfer nicht nur über die Graslandschaft, sondern auch über die Baumkronen geschwenkt. Warum die theatralische Inszenierung? Na, in einem der Bäume könnte es sich ein Leopard gemütlich gemacht haben.

Ein Leopard hat es sich in einem Baum gemütlich gemacht

Leopard im Baum

Leoparden sind die anpassungsfähigsten Wildkatzen. Anders als Löwen sind sie Einzelgänger. Während der Paarungszeit ändert sich dies natürlich. Weibliche Leoparden können das ganze Jahr über Nachwuchs bekommen. Die Jungen haben zunächst ein graues Fell und bekommen die distinktiven Punkte erst später.

Foto von Christine Martin aus Kanada.

Niedlicher Nachwuchs, Foto: Christine Martin

Impala, Gnus und Gazellen sind die bevorzugten Beutetiere des Panthera pardus. Damit ihnen kein anderes Raubtier oder gar ein Aasfresser die erlegten Tiere wegschnappt, verstecken Leoparden ihre Beute in Bäumen. Hier sind sie dank ihrer schwarzen Punkte zwischen den vielen Blättern bestens getarnt.

Leopard trägt Gazellenkopf im Maul auf einen Baum

Die Beute wird oftmals im Baum versteckt, Foto: Anthony Goldman

Ganz und gar nicht wasserscheu: Leoparden schwimmen gerne. Somit fressen sie durchaus auch mal Fische oder Krabben. Männchen werden bis zu 100, Weibchen bis zu 65 Kilogramm schwer.

Leopard trinkt an einem Wasserloch

Das Sabi Sand Game Reserve ist berühmt für seine Leoparden

Büffel

Nahaufnahme eines Büffels im afrikanischen Busch

Büffel, Foto: Robert Holmwood

Eine schier endlos lange Herde Kaffernbüffel überquert die Straße. Einer nach dem anderen. Wer entscheidet in einer so großen Gemeinschaft von Tieren darüber, wohin es geht? Bei diesem Mitglied der „Big Five“ wird dies demokratisch entschieden. Wenn Sie bei Ihrer nächsten Afrika-Rundreise eine Herde beim scheinbaren Ausruhen beobachten, sollten Sie noch näher hinschauen. Immer wieder stehen die Tiere auf, blicken in eine bestimmte Richtung und geben damit ihre Stimme ab.

Eine Büffelherde leicht panisch im Wasser

Büffelherde im Krüger Nationalpark, Foto: Mike Walsh

Kaffernbüffel sind die größten afrikanischen Rinder und ernähren sich von Gräsern. Sie werden bis zu 175 Zentimeter groß und wuchtige 900 Kilogramm schwer. Die Tiere sind von Somalia über die Demokratische Republik Kongo bis Südafrika verbreitet.

Zwei Büffel beim Käpfen auf einer grünen Wiese

Zwei Büffel beim Kämpfen, Foto: Harald Pieta

Bei den Männchen verbindet ein Knochenschild die beiden Hörner, die oberhalb der Augen auf dem Kopf sitzen. Die Form erinnert ein bisschen an einen geschwungenen Schnurrbart. Selbst unsere Büffel bleiben vom Alter nicht verschont: Wie beim Menschen wird das Haar mit dem Alter dünner.

Mehrere Büffel im Dickicht beim Fressen

Gemeinsam auf Futtersuche, Foto: Alina Lawson

Immer schön flexibel bleiben: Büffel passen ihre Fortpflanzungspläne an das saisonale Klima an. Männchen nutzen bei der Brunft ihre Hörner und tiefes Grummeln, um das beste Weibchen zu erobern. Der Stärkere gewinnt.

Eine Herde Büffel trinkt an einem sehr trockenen Ufer

Herde beim Trinken, Foto: Mike Walsh

Elefant

Eine Elefantenfamilie geht einen sandigen Weg im Addo Elephant Park entlang

Elefantenfamilie

Im offenen Geländewagen sind alle ganz still. Neben der Schotterpiste raschelt es im Dickicht. Da bahnt sich etwas Mächtiges seinen Weg durch den Busch. Keine Sorge, es ist kein T-Rex, sondern eine Herde Elefanten, angeführt von einer stolzen Leitkuh. Zwei Babys wuseln durch die Beine der Großen, üben sich im Trompeten und können es kaum erwarten, im Wasserloch zu planschen.

Kleiner Elefant klammert sich mit seinem Rüssel an die Stoßzähne seiner Mama

Elefanten im Dickicht, Foto: Chase

Die größten Landlebewesen unseres Planeten bringen bis zu sechs Tonnen auf die Waage und werden über drei Meter groß. Die Population von Elefanten ist in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Rund 410.000 Tiere nennen die Regenwälder und Savannen Afrikas ihr Zuhause. Die größten Herden existieren in Tansania, Botswana, Südafrika, Sambia, Kenia und Simbabwe.

Elefanten ziehen durch die Savanne am Fusse des Kilimanjaro

Elefanten ziehen durch die Savanne in Tansania

Der Rüssel ist nicht nur eine Nase, sondern auch eine Verlängerung der Oberlippe. Auf Ihrer nächsten Safari sollten Sie genau hinschauen, wie clever die Dickhäuter mit ihrem Rüssel umgehen. Sie glauben, dass Sie manchmal zu viel essen? Nicht im Vergleich zu Elefanten! Die Tiere fressen zwar vor allem Blätter – aber davon nicht weniger als 200 Kilogramm am Tag.

Elephantenjunges in Wiese

Ein kleiner Elefant, Foto: Bine Eder

Elefanten sind äußerst soziale Tiere. Ihr ausgeprägter Geruchssinn hilft ihnen, Verwandte und Wasserquellen zu erkennen. Die Kommunikation der Dickhäuter ist besonders verblüffend: Sie teilen sich über Laute und Schallwellen mit. Die fürs menschliche Ohr nicht hörbaren Infraschall-Botschaften erzeugen sie in ihrer Kehle und erreichen damit Artgenossen, die bis zu 50 Kilometer entfernt sind. Über ihre empfindlichen Füße nehmen die Elefanten die Botschaften auf.

young elephant drinking water camp botswana

Botswana: Elefanten im Fluss, Foto: Camp Botswana

Elefanten richten ihre Familienplanung nach dem Nahrungsangebot. Nach rund 24 Monaten bringen sie wahre Wonneproppen zur Welt: Elefantenbabys wiegen bei der Geburt bereits 100 Kilogramm.

Eine Elefantenherde in Kenia

Eine glückliche Familie

Übrigens haben sowohl männliche als auch weibliche Elefanten Stoßzähne. Da es im afrikanischen Busch durchaus heiß werden kann, nutzen die Tiere ihre riesigen Ohren, um sich abzukühlen. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Elefantenohren – mit ein wenig Fantasie – dem Umriss Afrikas ähneln?

Mitglieder der „Big Five“: Elefantenherde an einem Wasserloch

Elefantenherde im Tarangire Nationalpark

Woher haben die „Big Five“ ihren Namen?

Die „Großen Fünf“ sind im Safari-Jargon ein etablierter Begriff. Löwe, Nashorn, Leopard, Büffel und Elefant wurden „Big Five“ getauft, da sie besonders schwer zu Fuß zu jagen sind. Zu Zeiten der Großwildjagd war es für Jäger eine große Herausforderung, diese fünf Tiere ihre Errungenschaft zu nennen. Heute machen die „Big Five“ jede Safari zu einem einzigartigen Erlebnis in Afrika. Schnappen Sie sich Ihre Kamera sowie ein Safari-Outfit und dann nichts wie ab in die artenreiche Natur unseres überwältigenden Kontinents!

Ein männlicher Löwe mit Mähne gähnt in einer weiten Savannenlandschaft

Faszinierende Tierbeobachtung in Afrika, Foto: Sarah Henault

Welches ist Ihr Favorit der „Big Five“? Welche Tierbeobachtung steht noch auf Ihrer Bucket List? Erleben Sie Löwe, Nashorn, Leopard, Büffel, Elefant und viele weitere Tiere auf einer Safari in Afrika.

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Titelbild: Chase Wells