von Matthias Wichelhaus am 22. Mai 2018
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„Wie lange fahren wir denn noch? Wenn ich gewusst hätte, wie viele Stunden wir im Auto sitzen, wäre ich nie nach Namibia gereist“. Diese und ähnliche Aussagen musste ich mir nicht nur einmal auf meiner ersten Namibia-Reise anhören. Jedes Mal verdrehte ich die Augen und konnte mich nur zweierlei fragen: Wie kann man sich vorher nicht gründlich darüber informieren, wie groß ein Land wie Namibia ist? Und zweitens: Wie kann man diese wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaft nicht einfach genießen – auch über mehrere Stunden Autofahrt? Über Stunden durch Nichts. Kein anderes Fahrzeug, keine andere Menschenseele. Das ultimative Freiheitsgefühl. Namibia ist nach der Mongolei das am dünnsten besiedelte Land der Erde. Vielleicht gehören Deutschland, Österreich und die Schweiz nicht zu den am dichtest besiedelten, aber oft hat man zumindest das Gefühl. Und trotzdem beschweren sich meine Mitreisenden über Kilometer von unberührter Weite und Wildnis. Fazit war für mich: Jederzeit wieder Namibia, das nächste Mal aber mit dem eigenen Auto, unabhängig und lieber mit Familie oder Freunden. Drei Jahre später war es dann soweit: mit einer kleinen Gruppe von erkundungsfreudigen Kollegen und Freunden ging es zurück. Auf dem Reiseverlauf standen die klassischen Ziele Windhuk, Sossusvlei, Swakopmund, das Damaraland und der Etosha Nationalpark. Namibia ist eine der schönsten Destinationen für eine Tour mit dem Mietwagen, doch dennoch gibt es einige Dinge zu beachten, bevor es losgeht. Namibia für Selbstfahrer – hier sind meine sechs Tipps:

Eine Oryx-Antilope in Namibias Dünen

Oryx in der Namib

1. Straßenverhältnisse:

Die Straßenverhältnisse in Namibia mögen für viele die größte Überraschung sein. Obwohl die Infrastruktur generell sehr gut ist, sind noch nicht einmal 20 Prozent der Straßen asphaltiert. Die wichtigsten Bundestraßen wie die B1 von Norden nach Süden sind in perfektem Zustand, doch dringt man tiefer ins Landesinnere ein, fährt man meist auf Staub und Schotter.

Straußenvögel im kargen Damaraland

Straußenvögel im Damaraland

2. Mietwagen:

Wer das Land also ausgiebig erkunden will, dem ist ein Fahrzeug mit Allradantrieb empfohlen. In Regionen wie dem Damaraland zum Beispiel waren die Straßen teilweise eine große Herausforderung – sogar mit 4×4-Jeep – mit einem kleineren Auto undenkbar.

Ein Pier an einem traumhaften Strand vor einem farbenfrohen Sonnenuntergang in warmen Tönen

Pier in Swakopmund

3. Geschwindigkeit & Linksverkehr:

Auf den wenigen befestigten Straßen gilt ein maximales Tempo von 120 km/h, und je nach Zustand der Schotterpisten gelten hier zwischen 60-80 km/h. So manch einer nimmt das Tempolimit nicht ganz ernst und nehmen anderen Autofahrern durch riesige Staubwolken die Sicht: genügend Abstand halten ist hier essenziell. In Namibia wie fast im gesamten südlichen Afrika herrscht Linksverkehr, Vorsicht also beim Abbiegen und im Kreisverkehr etc.

Himba mit der traditionellen Hautbemalung aus Tonerde

Himba im Norden Namibias; Foto: Jessica Mulder

4. Vorräte & Wasser:

Wenig überrascht, dass Lebensmittel und Wasser in Namibia aufgrund der dünnen Besiedelung nicht überall verfügbar sind. Es kann durchaus sein, dass man stundenlang durch völlig unbewohnte Landschaften fährt und weit und breit auf keine Menschenseele, geschweige denn einen Supermarkt oder ähnliches trifft. Stellen Sie also sicher, dass Sie stets mit ausreichend Wasser und Nahrungsmitteln ausgestattet sind.

Spitzmaulnashorn umgeben von Gazellen

Spitzmaulnashorn im Etosha Nationalpark, Foto: Mike Walsh

5. Benzin:

Ähnliches wie für Wasser und Lebensmittel gilt auch für Benzin. Schauen Sie sich vor Abfahrt immer genau auf der Karte an, wo ein ausreichend großer Ort auf der Route liegt und gehen Sie sicher, dass der Tank für die nächsten 300-400 Kilometer voll ist.

Löwendamen am Wasserloch

Löwendamen am Wasserloch, Foto: Anna-Mart

6. (Wilde) Tiere:

Was Namibia einerseits so besonders macht, kann für Selbstfahrer eine Herausforderung darstellen. Hier kreuzen noch wilde Tiere die Straßen und Sie werden Schilder sehen, die springende Kudus oder eine Warzenscheinfamilie abbilden. Das ist kein Touristen-Scherz, sondern soll tatsächlich vor Wild warnen. Besonders nach Einbruch der Dunkelheit kann es gefährlich werden: viele der Tiere werden von Autoscheinwerfern extrem geblendet und verlieren die Kontrolle. Wir empfehlen generell, Autofahrten nachts zu vermeiden.
Nicht nur wilde Tiere können zu einem Verkehrshindernis werden, auch Vieh wie Ziegen und Kühe können plötzlich auf der Fahrbahn auftauchen.

Gut gerüstet für eine Selbstfahrer-Tour in Namibia

Über Schotterstraßen durch Namibia