von Matthias Wichelhaus am 28. Juni 2018
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Von ihrem kleinen Stand aus verkauft sie Alkohol. Sie entschied sich für diesen Schritt aus reiner Not. In diesem Dorf im ländlichen Südafrika gibt es nicht viel Arbeit und sie musste eine neue Geldquelle finden, um ihre Kinder zu versorgen. Ihr Plan ging auf; schnell wurde der Kiosk zur Anlaufstelle für ein bisschen Abwechslung, ein bisschen Vergnügen für viele der Dorfbewohner. Endlich konnte sie als alleinstehende Mutter überleben. Doch ihr eigenes Glück hatte eine Schattenseite; der erhöhte Alkoholkonsum führte gleichzeitig zu mehr Gewalt und Verbrechen in der Gemeinde. Dies ist nur eine von vielen Geschichten hinter der Kunst, die im Zeitz MOCAA gezeigt wird. An langen Seilen hängen auf verschiedenen Höhen Bierflaschen, ein Symbol der vielschichtigen Gesellschaft Südafrikas und der Zweischneidigkeit von Alkoholkonsum in entlegenen Kommunen. Wenige Meter entfernt steht ein Bett mit zertrümmerten Flaschen, wiederum ein Symbol für häusliche Gewalt.  Die junge Künstlerin Lungiswa Gqunta aus Port Elizabeth erzählt eine Geschichte von tausenden Frauen und Familien in Südafrika.

Geschichten durch Kunst ausgedrückt

Installation der Künstlerin Lungiswa Gqunta; Foto: Garance Chassaing

 

Fotokunst im Zeitz MOCAA

Fotografien im MOCAA; Foto: Garance Chassaing

Ein Symbol der afrikanischen Gesellschaft

Wie die einzelnen Werke ist das Zeitz MOCAA, im September 2017 eröffnet, ein zusammenfassendes Symbol der afrikanischen Gesellschaft. Der Vielfalt. Der Veränderungen. Der Kämpfe. Die Architektur ist einzigartig, in einem alten Getreidesilo gelegen, doch ist es wirklich die Kunst, welche das Museum so besonders macht. Es wird moderne Kunst gezeigt, teilweise international, vor allem aber aus Afrika. Von Tunesien bis Südafrika. Fotografien, Gemälde und Installationen lassen bewundern, rätseln, verweilen und abschrecken. Das Zeitz MOCAA macht Kapstadt endgültig zu einer „Weltstadt“. Immer noch mit provinziellem Charakter, aber mit gastronomischer Szene, Sehenswürdigkeiten und nun endlich kulturellem Angebot von Weltrang. Das Museum wird Kapstadt verändern, denn fehlten vorher nicht zwingend Museen und Galerien, war es aber vor allem das Interesse an Kapstadt als Kunst-Destination und das Interesse der Kapstädter an Kultur selbst, und eben nicht nur Wein, Spaß und Allerlei.

Kunst im Zeitz MOCAA

Glitzernde Kunst im Zeit MOCAA; Foto: Garance Chassaing

 

Facettenreiche Kunst im Zeitz MOCAA; Foto: Garance Chassaing

Kultur, Kulinarik und Traumblick

Das Museum befindet sich in einem alten Getreidesilo, welches mit großem Aufwand entkernt wurde. Schon die Eingangshalle ist beeindruckend; hier wird das monströse Gebäude greifbar und man wird direkt in eine andere Welt entführt. Ein paar Stunden Kunst und die Geschichten Afrikas, weit weg von Konsum, weißen Stränden, Sonnenschein und manchmal dem etwas verschwommenen Blick auf das schöne Kapstadt. Apropos, neben ständigen und wechselnden Ausstellungen gibt es ein vorzügliches Restaurant in der sechsten Etage mit Panoramablick über die Stadt.

Eingangshalle Zeitz MOCAA

Eingangshalle Zeitz MOCAA, Foto: Iwan Baan

 

Aufzüge im Zeitz MOCAA

Das entkernte Getreidesilo; Foto: Garance Chassaing

Praktische Informationen:

Öffnungszeiten

  • Dienstags geschlossen
  • Geöffnet von Mittwoch bis Montag von 10 bis 18 Uhr (letzter Einlass um 17:30 Uhr)
  • Jeden ersten Freitag des Monats von 10 bis 21 Uhr geöffnet (letzter Einlass um 20:30 Uhr)

Eintrittspreise:

  • R180 pro Erwachsenen
  • Freier Eintritt unter 18 Jahren unter Vorlage eines Personalausweises
  • Eintritt frei für afrikanische Bürger am Mittwochmorgen von 10 bis 13 Uhr
  • Halber Preis jeden ersten Freitag im Monat zwischen 16 und 19 Uhr
  • Jahresabonnement für R250 mit unbegrenztem Eintritt
Modernes Design im Zeitz MOCAA Restaurant

Das Restaurant des Zeitz MOCAA; Foto: Garance Chassaing

 

Schwarze Gnocci im Restaurant des Zeitz MOCAA

Köstlichkeiten im Restaurant des Zeitz MOCAA; Foto: Garance Chassaing