von Matthias Wichelhaus am 12. Juli 2018
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Der kleine Junge jagt hinter den Küken her. Er lässt mit seinem konsequenten Strahlen das ganze Dorf aufhellen. Wie Glück und das simple Leben doch so nah beieinanderliegen können. Die kleinen Kinder sind das Herz des Himba-Dorfes, das Leben und die Zukunft. Um sie herum gackern Hühner, laufen Hunde und Kühe frei herum und iahen Esel. Die rundlichen Hütten aus Lehm und Holz sind umgeben von einem ebenso kreisrunden Zaun aus stacheligem Geäst. Als der Racker anfing am selben Salzstein wie das Vieh zu lecken, ohne dass es einen der Erwachsenen auch nur im Geringsten interessierte, wusste ich: ich bin in einer anderen Welt. In einer Welt von Ursprünglichkeit, von anderen Werten und Ansprüchen.

Schüchterne Himba in Namibia

Spielende Kinder der Himba in Namibia; Foto: Jessica Mulder

Wer sind die Himba?

Ich war skeptisch, als es hieß, dass ein Besuch eines Himba-Dorfes Teil der Reise wird. Natürlich möchte man mehr über die traditionellen Stämme Namibias erfahren, aber es soll halt authentisch sein. Und eben nicht touristisch, obwohl man ja selbst Tourist ist. Wir hatten Glück: unser Dorf war tatsächlich „echt“, nicht potemkinsch, die Hütten waren das Zuhause der Himba, Schutz vor Hitze und der nächtlichen Dunkelheit. Wir wurden herzlich von dem uralten Stamm begrüßt, eng verwandt mit den Herero, und 20 000 bis 50 000 Mitglieder zählend. Sie haben turbulente Jahrzehnte hinter sich – Kolonialisierung, Bürgerkriege und Dürre – was fast zum Verschwinden des Volkes führte. Heute leben sie wie schon vor hunderten Jahren halbnomadisch und leben vor allem vom eigenen Vieh – das wie bereits erwähnt direkter Teil der Dorfgemeinschaft ist – und angebautem Getreide. Die Frauen leisten die harte Arbeit, wir durften ihre Kraft und Ausdauer beim Zerkleinern der Körner zu Mehl bewundern. Besonders bekannt ist der Stamm für die auffällige Hautbemalung und die Frisuren der Frauen. Sie nutzen eine Mischung aus Butterfett und Ocker (auch als Otjize bekannt), um sich vor den unwirtlichen Klimabedingungen zu schützen. Gleichzeitig soll das rote Tonkleid die vollen Farben der Erde und das Leben symbolisieren.

Kinder im Himba-Dorf in Namibia

Im Himba-Dorf in Namibia; Foto: Jessica Mulder

Der Gott Mukuru und die Ahnenfeuer

Die Himba verehren ihren Gott Mukuru und ihre Vorfahren. Letztere gelten oft als Repräsentanten des Gottes. Jede Familie pflegt ein „Ahnenfeuer“ (Okuruwo), das Schutz durch die Vorfahren gewährt. Nun verstand ich auch das unmittelbare Zusammenleben mit dem Vieh, denn das soll die Beziehung zwischen Menschen im Jetzt und den Ahnen aufrechterhalten. Feuer und Vieh sind die zwei Hauptelemente, die die Hütte jeder Familie umgeben und ihre Verbindung zu Mukuru und den Ahnen sicherstellt.

Feuer machen im Himba-Dorf in Namibia

Traditionen und Überleben der Himba; Foto: Jessica Mulder

Straußeneierschale und anderer Schmuck

Neben der roten Hautbemalung fällt der schwere und kunstvolle Schmuck der Himba auf. Frauen sowie auch Männer tragen mehrere Ketten, Arm- und Knöchelbänder aus Straußeneierschale, Kupfer, Stoff und Gras. Die Ansammlung von Handwerkskunst kann bis zu 40 Kilogramm wiegen.

Himba-Schmuck in Namibia

Kunstvoller Schmuck schon in Kindesalter; Foto: Jessica Mulder

Keine zufälligen Frisuren

Frisuren sind Symbole für bestimmte Lebensabschnitte und den sozialen Status unter den Frauen der Himba. Junge Mädchen haben normalerweise zwei Zöpfe von geflochtenem Haar. Nach der Pubertät durchlaufen sie die Ekori-Zeremonie und erhalten den gleichnamigen Haarschmuck, aus getrockneter Schafs- oder Ziegenhaut gefertigt und mit Perlenketten dekoriert.

Lachende Himba in Namibia

Himba mit der traditionellen Hautbemalung; Foto: Jessica Mulder