von Katharina Riebesel am 20. November 2018
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Alles begann in Afrika. Die Wiege der Menschheit in Südafrika ist Schauplatz der Hominisation, der menschlichen Evolution. Vom afrikanischen Kontinent aus zogen die Homo sapiens in die ganze Welt. In Mittelamerika erbauten die Mayas beeindruckende Tempel und während der Antike beeinflussten Griechen sowie Römer Menschen weit über den Mittelmeerraum hinaus. Schon vorher läutete das Alte Ägypten die Zeit der afrikanischen Könige im Delta des Nils ein. Abgesehen vom Königtum Ägypten existierten in Afrika diverse andere Königreiche, von denen man nur selten hört. Noch heute halten zahlreiche Stämme Jahrtausende alte Traditionen aufrecht. Wir stellen Ihnen neun afrikanische Königreiche vor, die Sie auf jeden Fall kennen sollten.

Das Aksumitische Reich

Außenansicht der Chapel of the Tablet in Aksum

Befindet sich die Bundeslade in dieser Kapelle in Aksum?

Wo? Äthiopien, Eritrea, Dschibuti, Ägypten, Saudi-Arabien, Somalia, Süd-Sudan, Sudan, Jemen

Zeitraum: circa 100 – 960 n. Chr.

Das Aksumitische Reich ist das älteste in unserer Liste. In Äthiopien und Eritrea haben Forscher Hinweise darauf gefunden, dass in dieser Region schon vor 10.000 Jahren Landwirtschaft betrieben wurde. Das afrikanische Königreich spielte im aufblühenden Handel zwischen Rom und dem antiken Indien eine zentrale Rolle. Zudem zählte es gemeinsam mit China, Rom und Persien zu den vier größten Mächten seiner Zeit. Ohne Zweifel ist der 24 Meter hohe Obelisk von Axum eines der beeindruckendsten Monumente aus dieser Zeit. Nach 70 Jahren in Rom bewundern Kulturinteressierte den Obelisk mittlerweile wieder in Eritrea. Es wird vermutet, dass sich neben der Granitstele auch die Bundeslade in Aksum befindet.

Das Königreich von Ghana

Die Ruinen von Ouadane, Teil des Königreichs Ghanas

Ruinen von Ouadane-Festung in der Sahara, Foto: African History Histoire Africaine

Wo? Teile des heutigen Mauretaniens, Senegals und Malis

Zeitraum: circa 700 – 1240 n. Chr.

Wagadu – das sagenumwobene Königreich von Ghana zählt zu den bedeutendsten des mittelalterlichen Westafrikas. Trotz einer begrenzten Wasserversorgung lebten zwischen 15.000 und 20.000 Menschen in dem Reich, das Gemeinschaften in der Sahelzone mit Handelsplätzen im Mittelmeerraum miteinander verbunden hat. Eine der wechselnden Hauptstädte, Koumbi Saleh, war seinerzeit die größte Stadt südlich der Sahara. Der erfolgreiche Handel mit Gold und Kolanuss trug maßgeblich zum glorreichen Aufstieg des Königreichs von Ghana bei. Damals ahnte niemand, dass die Kolanuss mal die geheime Zutat des bekanntesten Erfrischungsgetränks der Welt wird.

Das Reich Mali

Kunstwerk von Abraham Cresques zeigt Mansa Musa

Mansa Musa, einer der reichsten Männer der Geschichte

Wo? Teile der heutigen Staaten Gambia, Guinea, Guinea-Bissau, Elfenbeinküste, Mali, Mauretanien, Niger und Senegal

Zeitraum: circa 1235 – 1670 n. Chr.

Mit dem Untergang des Königreichs von Ghana stieg das Reich Mali zu Ruhm und Reichtum auf. Statt mit Gold zu handeln, hat sich das Reich Mali darauf spezialisiert, durch Bergbau selbst Gold zu gewinnen. Ende des 13. Jahrhunderts stammten rund 50 Prozent des weltweiten Goldes aus dem afrikanischen Königreich. Mansa Musa, einer der Herrscher, gilt sogar noch nach heutigen Standards als einer der reichsten Menschen der Geschichte.

Das Songhaireich

Eine antike Moschee in Timbuktu - einst Teil eines bedeutenden afrikanischen Königreichs

Timbuktus antike Moschee, Foto: World Atlas

Wo? Benin, Burkina Faso, Guinea, Guinea-Bissau, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, Gambia

Zeitraum: circa 1430 – 1591

Als einer der größten Staaten der Geschichte Afrikas verbinden die meisten das Songhaireich mit einer seiner prominentesten Städte: Timbuktu. Es war einst das wichtigste Zentrum für Lehre und Arbeit in der Region. Akademiker und Arbeiter kamen aus allen Ecken des Kontinents, dem Mittleren Osten und sogar aus Spanien, um in der Stadt zu studieren und zu arbeiten. Das Songhaireich entwickelte sich aus dem Niedergang des Reichs Mali und war dafür verantwortlich, diverse Handelsrouten durch den Sahararaum zu etablieren sowie auszubauen.

Königreich Simbabwe

Afrikanische Königreiche: Die Ruinen von Groß Simbabwe

Ruinen von Groß Simbabwe, Foto: The African Exponent

Wo? Simbabwe (und Teile von Mosambik)

Zeitraum: circa 11. Jhd. – 1450

Das Königreich Simbabwe verdankt seinen heutigen Ruhm der ehemaligen Hauptstadt Groß Simbabwe. Afrikas größtes historisches Bauwerk nach den Pyramiden in Ägypten ist ein UNESCO-Weltkulturerbe und war einst Heimat von rund 18.000 Menschen auf einer Fläche von sieben Quadratkilometern. Forscher gehen davon aus, dass sich das Königreich Simbabwe bereits im 11. Jahrhundert entwickelte. Seine Blütezeit erreichte es um 1220. Das Monopol über Gold- und Elfenbeinhandel aus dem Südosten Afrikas machte das Reich wohlhabend. Zudem war das Königreich Simbabwe als Spezialist für die Gewinnung von Kupfer, Eisen und Gold bekannt.

Das Munhumutapa-Reich

Eine antike Karte des Munhumutapa-Königreichs

Karte des Munhumutapa-Reichs

Wo? Teile der heutigen Staaten Lesotho, Mosambik, Südafrika, Swasiland, Sambia und Simbabwe

Zeitraum: 1430 – 1760

Ein erstaunlich großes Gebiet umfasste einst das Munhumutapa-Reich: Es erstreckte sich von den Flüssen Limpopo und Sambesi bis zum Indischen Ozean. Heute würde es Teile von nicht weniger als sechs Staaten im südlichen Afrika einnehmen. Einer Legende nach etablierte ein Kriegsprinz aus dem Königreich Simbabwe das Munhumutapa-Reich. Binnen einer Generation schaffte es das neue kleinere Reich das von Simbabwe in den Schatten zu stellen. Somit wurden die Portugiesen unfreiwillig Mittelmänner zwischen Indien und dem Königreich in Afrika, das den Handel in der Region kontrollierte. Das Munhumutapa-Reich erreichte so viel Einfluss, dass es von jedem Kapitän, der im portugiesischen Mosambik Handel betrieb, eine 50-prozentige Steuer auf importierte Produkte verlangte. Das Ende des Königreichs zeichnete sich bereits im frühen 17. Jahrhundert ab, als sich das Blatt wendete und sich das Königreich mehr und mehr zu einem Vasallenstaat von Portugal entwickelte.

Das Kaiserreich Abessinien

Portrait von David II., einem der Herrscher des Kaiserreichs Abessinien

David II., einer der Herrscher des Kaiserreichs Abessinien

Wo? Teile des heutigen Eritreas und Äthiopiens

Zeitraum: circa 1137 – 1975

Das am längsten existierende afrikanische Reich war das Kaiserreich Abessinien. Vom Mittelalter bis zum Kalten Krieg – es überlebte einige der einschneidendsten Ereignisse der Geschichte. Von der osmanischen über die italienische und ägyptische Armee – das Reich schaffte es, jeglichen Feinden zu trotzen. Einige Herrscher von Abessinien sollen angeblich vom König Solomon abstammen. Während der Kolonialzeit verteidigte sich das Kaiserreich Abessinien erfolgreich gegen Italien im Abessinienkrieg. Der Abstieg begann mit der Niederlage des zweiten Abessinienkrieg im Jahr 1935. Die Monarchie wurde 1974 durchs Militär abgeschafft.

Das Königreich Kongo

Ein Grabstein aus dem Königreich Kongo

Ein Grabstein aus dem Königreich Kongo, Foto: Brooklyn Museum

Wo? Teile von Angola, DRC, Republik Kongo und Gabun

Zeitraum: circa 1390 – 1914

Bevor europäische Staaten Afrika unter sich aufteilten, formten die beiden heutigen Länder Republik Kongo und die Demokratische Republik Kongo das Königreich Kongo. Bis heutige sind die genauen Grenzen des Reichs ungewiss, aber man weiß, dass der Kikongo-Kämpfer Luken Lua Nimi das Reich mit militärischen und politischen Mitteln in beiden kongolesischen Staaten sowie bis ins heutige Angola expandierte. Bei diesem Königreich handelte es sich praktisch um eine Feudalherrschaft, während seine Wirtschaft von diversen Handelsrouten entlang von Flüssen in der Region profitierte. Besonders gefragt waren Textilien, Töpferkunst, Kupfer und Elfenbein.

9. Das Königreich Benin

Bildnis des antiken Benin - afrikanische Königreiche

Das antike Benin

Wo? Nigeria

Zeitraum: circa 1180 – 1897

Das Königreich Benin im heutigen Nigeria galt bis zu seiner Annexion durch die Briten als einer der ältesten und modernsten Staaten Westafrikas. Berühmte Künstler schafften während der Herrschaftszeit beeindruckende Werke aus Elfenbein, Bronze und Eisen. Das Königreich Benin pflegte eine starke Handelsbeziehung mit Portugal. Vor allem Palmöl, Pfeffer, Elfenbein und Schusswaffen waren begehrte Waren. Großbritanniens erste Entdeckungsreise nach Benin fand im Jahr 1553 statt, wodurch eine partnerschaftliche Handelskooperation entstand. Diese existierte auch noch im 16. und 17. Jahrhundert, bis Benin vermutete, dass die Briten nach mehr Kontrolle aus waren. Niederländische, britische und portugiesische Entdecker faszinierten die Menschen in Europa mit zahlreichen Erzählungen von der Schönheit, dem Reichtum und der Raffinesse in Benin.

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