von Fabiana Seitz
am 14. Mai 2017
4 Minuten Lesezeit

Im Mai ist wieder soweit und Cineasten aus aller Welt strömten an die Côte d´Azur, nach Cannes. Doch dieses Jahr stellt nicht irgendein beliebiges Jahr dar, sondern das 70 Jahre Jubiläum des großen Cannes Filmfestivals. 70 Jahre voll goldener Palmen, knallender Champagnerkorken und filmreifer Szenen auf dem roten Teppich – auch für Afrika. Denn auch Afrikas Kino schrieb Filmgeschichte.

Grund zum Lachen: 2010 holte die Filmcrew aus Tschad für Un Homme Qui Crie den Jury-Preis des Cannes Filmfestivals nach Hause. (Foto: AFP)

Vorhang auf für Afrika

„Ich hatte eine Farm in Afrika…“, mit diesen Worten und außergewöhnlichen Aufnahmen beginnt eines der größten Liebesdramen der Filmgeschichte. Gedreht wurde der Film mit Meryl Streep und Robert Redford zu einem großen Teil in der Masai Mara und noch heute, gut 30 Jahre später,  zieht es Filmnostalgiker in die weiten Savannen Kenias – Jenseits von Afrika. Auch Stanley Kubricks Science Fiction Meisterwerk 2001: Odyssee im Weltraum sowie Disney´s Tarzan und König der Löwen beweisen: Das Kino – allen voran Hollywood – liebt Afrika. Doch Afrika bietet so viel mehr als bloß schöne Kulissen, wilde Dschungelbewohner und singende Warzenschweine: Afrika kann auch Filme machen.

Große Gefühle im Film Jenseits von Africa. (Foto: ORF-Tv)

Während der Kolonialzeit war es Afrikanern jedoch ausdrücklich untersagt, in ihrer eigenen Heimat Filme zu drehen. So entstand der erste afrikanische Film L´Afrique sur Seine 1955 in Paris und thematisiert genau diese Beziehung zwischen Afrika und französischer Kolonialmacht. Auch nach dem Befreiungsschlag in den 60ern und mit der lang ersehnten Unabhängigkeit bleiben afrikanische Filme stark politisch geprägt: Sie handeln von Freiheit, der Suche nach der eigenen Identität und der Behauptung gegen die ehemaligen Kolonialmächte.

L´Afrique sur Seine wurde 1955 in Paris gedreht. (Foto: Sens Critique)

Der erste afrikanische Film, der internationale Aufmerksamkeit erlangte, war der Film Die Schwarze aus Dakar über die Verzweiflung einer Afrikanerin, die in Frankreich als Dienstmädchen arbeitet. Der 1966 gedrehte Film machte den Senegalesen Ousmane Sembène schlagartig berühmt und zum „Vater“ des afrikanischen Films.

Der Film Die Schwarze aus Dakar machte den Senegalesen Ousmane Sembène zum  „Vater“ des afrikanischen Films. (Foto: aVoir aLire)

1969 wurde das erste große Filmfestival in Afrika eingeführt: Das FESPACO, das Panafrikanische Film- und Fernsehfestival. Das Festival findet bis heute in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, statt und bietet dem afrikanischen Film die lang ersehnte eigene Plattform.

Das FESPACO als wichtigstes Festival des afrikanischen Kinos. (Foto: Africa Top Success)

Das afrikanische Kino wollte seit seinen Anfängen also vor allem eines: Afrika aus einem neuen Blickwinkel zeigen. Der malische Filmemacher Souleymane Cissé formulierte es so: „Unsere Pflicht ist es, die Leute begreifen zu lassen, dass die Weißen mit ihren Bildern gelogen haben.“ Damit meint Cissé die Filme der Kolonialzeit, die Afrika abwertend als „exotische Wildnis“ mit „naiven Unterlegenen“ und „gefährlichen Primitiven“ darstellen. Das afrikanische Kino hat es sich zur Aufgabe gemacht, das wahre Gesicht Afrikas der Welt näher zu bringen.

Der afrikanische Film heute

In den letzten Jahren werden verstärkt auch Probleme thematisiert, welche nicht mehr als Folge der Kolonialzeit zu sehen sind, sondern auf die eigene Verantwortung zurückzuführen sind: Korruption, AIDS oder die Unterdrückung von Frauen. Außerdem ist der afrikanische Film nicht mehr mit ausschließlich politischem Film gleichzusetzen: Es gibt immer mehr Komödien, Dramen, Actionfilme und sogar Soaps. So feiert die Serie Desperate Housewives Africa – eine nigerianische Adaption der US-amerikanischen Originalserie – enormen Erfolg. Lügen und Intrigen unter Hausfrauen gibt´s also nicht nur an der berühmten Wisteria Lane, sondern durchaus auch an der Hibiscus Lane in Lagos.

Was Hollywood kann, kann Nollywood schon lange. (Foto: Indie Wire)

Wer durch die Straßen Kapstadts schlendert, den Lions Head erklimmt oder einen Sundowner am Clifton Beach genießt, muss stets damit rechnen, einer Filmcrew über den Weg zu laufen und sich selbst bald auf Großleinwand zu sehen. Die „Mother City“ bietet fantastische Filmkulissen mit einzigartigem Licht und gilt als eine der schönsten Städte der Welt – kein Wunder, dass sich auch Rhino Africa hier niedergelassen hat.

Kapstadt als einzigartige Filmkulisse.

Neben Kapstadt gibt es heute in vielen afrikanischen Ländern eine erhebliche Filmproduktion. Allen voran Nollywood in Nigeria und Kollywood in Kenia. Hier werden Filme von Afrikaner für Afrikaner produziert – und mit großem Erfolg. So kann Nigeria nach Bollywood und sogar vor Hollywood die zweitgrößte Massenfilmproduktion der Welt verzeichnen: 2000 Filme pro Jahr, 5000 Schauspieler allein in Lagos – aber kaum Kinos. Die Filme Nollywoods werden meist mit kleinem Budget in wenigen Tagen gedreht und als DVD konsumiert: Zuhause auf dem Sofa oder mit Freunden in der Stammkneipe, aber auch in der Wartehalle des Flughafens, im Supermarkt oder beim Frisör.

Denn Afrika liebt Film – immer und überall.