von Katharina Riebesel am 26. September 2017
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Sie sind wieder da. Hunderte Tonnen bahnen sich ihren Weg zur Wasseroberfläche. Grazil wie Akrobaten drehen sich die Wale in der Luft und lassen ihre mächtigen Körper anschließend genüsslich ins tiefe Blau eintauchen. In Momenten wie diesem knipsen Tierfreunde begeistert um die Wette. Die Meeressäuger aus den eisigen Gewässern der Antarktis zieht es zwischen Juni und November zum Kalben in die wärmeren Buchten an der Küste von Südafrika. Nirgendwo sonst finden Sie bessere Möglichkeiten, Wale vom Land aus zu bewundern. Oftmals trennen Sie sogar nur wenige Meter von den größten Lebewesen unseres Planeten. Wann? Wo? Wie? Wir versorgen Sie mit allen wichtigen Informationen über die Walsaison in Südafrika.

Whale watching in Hermanus - Walsaison in Südafrika

Wale: Südafrika gilt als einer der weltweit besten Orte für einzigartige Sichtungen

Wann können Sie die Wale sehen?

Die Walsaison beginnt Anfang Juni und endet im November. Somit haben Sie ganze sechs Monate Zeit, die faszinierenden Giganten vor der Küste zu spotten. Während dieser Zeit nutzen die Tiere die nährreichen Gewässer rund um Südafrika, um ihre Kälber großzuziehen. Mit ein bisschen Glück treffen Sie allerdings auch außerhalb der Walsaion auf die überwältigenden Meerestiere.

Wo können Sie die Wale in Südafrika beobachten?

Eine Karte fürs Whale Watching in Südafrika mit den besten Orten für Walbeobachtungen

Die besten Whale Watching Hotspots in Südafrika

Mehr als 2500 Kilometer atemberaubendes Küstengebiet säumen Südafrika im Osten, Süden und Westen. Da ist es durchaus hilfreich zu wissen, wo Sie die Wale am besten beim Herumtollen im Ozean beobachten können. Herausragende Küstenabschnitte finden Sie zum einen entlang der Cape Whale Route zwischen Doringbaai an der Westküste und Storms River Mouth im Tsitsikamma Nationalpark. Zum anderen überzeugt auch die Whale Route, die südlich von Kapstadt beginnt und bis nach Durban führt. Das sind unsere liebsten Beobachtungspunkte:

1. Hermanus und Overberg

Das Herz der Walküste: Hermanus hat sich den ersten Platz als Walhauptstadt redlich verdient. Bei einem Spaziergang inmitten der verträumten Fynbos-Vegetation entlang der Küste kommen Sie den Walen ganz nah. Auf der Promenade und in den zahlreichen Restaurants rund um den Marktplatz herrscht während der Walsaison stets reges Treiben. Sobald ein Meeressäuger seine imposante Schwanzflosse – Fluke genannt – aus dem Wasser hebt, rennt alles voller Vorfreude Richtung Ufer. Anlässlich des Hermanus Whale Festival strömen jeden September Tausende Walbegeisterte in den idyllischen Küstenort.

Wale in Südafrika direkt von der Küste aus beobachten

Walsaison: In Hermanus kommen die Wale bis an die Küste

In der Region Overberg gibt es abgesehen von Hermanus noch weitere erstklassige Beobachtungsorte. Wer die Meeressäuger abseits des Trubels in aller Ruhe beobachten möchte, sollte Cape Agulhas, Struisbaai oder Arniston besuchen. Der populäre Wanderweg Whale Trail im De Hoop Naturreservat verspricht fünf Tage Natur und Abenteuer – inklusive spannender Walbeobachtung.

2. Garden Route

Südafrikas beliebteste Reiseroute hält für Sie ebenfalls zahlreiche Spitzenplätze für Walbeobachtungen bereit. Das paradiesische Naturschutzgebiet Robberg Reserve bei Plettenberg Bay ermöglicht Ihnen eine einzigartige Sicht auf den Ozean und seine vielen Bewohner. Hoch oben auf den Knysna Heads, dort wo die gleichnamige Lagune auf den Ozean trifft, stehen die Chancen ebenfalls gut, einen Blick auf Wale und Delfine zu erhaschen. Mossel Bay ist ebenso wie Hermanus unter weiblichen Walen ein bevorzugter Ort, um Junge zur Welt zu bringen.

Wale in Hermanus vom Land aus beobachten: Whale watching in Südafrika

Buckelwale in Südafrika

3. Kapstadt und False Bay

Die Wale kommen fast direkt bis vor die Haustür. Jedenfalls müssen Kapstadturlauber nicht weit reisen, um ganze Herden zu erblicken. Rund um die Waterfront, vor Sea Point oder Clifton sind die sanften Riesen nicht selten zu sehen. Gleiches gilt für Hout Bay und die Panoramastraße Chapman’s Peak Drive. Wagen Sie in Simon’s Town eine Bootstour und begeben Sie sich auf die Suche nach den Meerestieren! False Bay ist die Bucht zwischen der Kap-Halbinsel und Pringle Bay. Auf der filmreifen Küstenstraße nach Hermanus haben Sie zahlreiche Gelegenheiten, entlang der Küste einen Zwischenstopp einzulegen. Bei einem Picknick können Sie mit Ferngläsern nach riesigen Flossen Ausschau halten.

4. Westküste

Zwischen Namibia und Kapstadt wartet die Westküste darauf, von Ihnen entdeckt zu werden. Im südafrikanischen Frühling tauchen bunte Blumen die westlichen Küstengebiete in eine malerische Kulisse. Nur wenige hundert Meter weiter toben Wale in den Fluten und lassen sich dabei immer wieder an der Wasseroberfläche blicken. In Lambert’s Bay, Elands Bay, Saldanha Bay und Yzerfontein sind Sie während der Walsaison an der richtigen Stelle.

Wal zeigt seine Fluke vor der südafrikanischen Küste

Wal zeigt seine Fluke

Welche Walarten kommen in Südafrika vor?

Unterhalb der stürmischen Wasseroberfläche geht es ebenso munter zu: Die nährreichen Gewässer vor Südafrika sind das Zuhause von insgesamt 37 Wal- und Delfinarten. Diese Wale werden Sie während der Walsaison in Südafrika am wahrscheinlichsten sehen:

1. Buckelwal

Whale Watching in Südafrika: Ein Buckelwal springt rückwärts aus dem Wasser

Buckelwal in Südafrika

Der Buckelwal liebt die Küstengewässer rund um den südlichsten Zipfel Afrikas, denn hier kann er mit seinen akrobatischen Fähigkeiten glänzen. Die Tiere werden bis zu 13 Meter lang und 30 Tonnen schwer – was sie jedoch nicht davon abhält, mit dem gesamten Körper aus dem Wasser zu springen. Merkmale des Buckelwals sind die Kehlfurchen vom Kinn bis zum Bauch, eine verhältnismäßig kleine Rückenflosse sowie eine große, eingekerbte Fluke. Wenn der Meeressäuger abtaucht, sieht es so aus, als würde er mit seinem Rücken einen schwarzen Buckel formen.

2. Südkaper

Rund um Kapstadt können Sie Wale wie den Südkaper beobachten

Südkaper

Die bis zu 18 Meter großen Tiere gehören zur Familie der Glattwale und nennen die Meere der Südhalbkugel ihr Zuhause. Sie erkennen diesen Wal an seiner nicht vorhandenen Rückenflosse, der Finne. Blauschwarz, Hellbraun und weiße Flecken sind die charakteristischen Farben des Südkapers. Ein ausgewachsener Südkaper kann ein Gewicht von bis zu 80 Tonnen erreichen – damit ist er mächtiger als ein Buckelwal.

3. Brydewal

Ein Brydewal in südafrikanischen Gewässern umgeben von Wasservögeln

Brydewal

Weniger bekannt, aber nicht minder beeindruckend, ist der Brydewal. Wie der Buckelwal zählt er zu den Furchenwalen und hat mit bis zu 14 Metern und 25 Tonnen ein ähnliches Erscheinungsbild wie sein Verwandter. Wie also identifizieren Sie diese Walart? Wer genau hinschaut, sieht drei parallel zueinander verlaufende Kämme auf der Kopfoberseite. Der Warmduscher unter den Walen hält sich ganzjährig in gemäßigten bis tropischen Gewässern auf. Daher hat er sich auch als „Tropischer Wal” einen Namen gemacht.

4. Orca

Zwei Orcas springen aus dem Wasser

Orcas beim Herumtollen, Foto: Robert Pittman

Sie haben einen Orca gesichtet? Jackpot! Zwar ist diese Walart nicht untypisch für südafrikanische Gewässer, aber Free Willy beim Jagen und Frohlocken in freier Wildbahn zu erspähen, ist dennoch ein rares Erlebnis. Orcas sind unglaublich anpassungsfähig und fühlen sich daher in jedem Ozean pudelwohl. Südafrikanische Seebären, Delfine und sogar große Haie stehen bei den Meeressäugern mit einer bis zu 1,80 Meter großen Rückenflosse auf der Speisekarte.

Artenreiche Unterwasserwelt

Ein weißer Hai springt vor der südafrikanischen Küste aus dem Wasser

Wie der Wal gehört der Weiße Hai zu den „Big Five des Ozeans”, Foto: Africa Shark Eco Charters

Jeder Afrikafan kennt die „Big Five”. Doch können Sie auch spontan die „Big Five des Ozeans” aufzählen? Der Wal – keine große Überraschung – gehört natürlich dazu. Pinguin, Südafrikanischer Seebär, Delfin und der Weiße Hai machen das Quintett komplett. Selbst wenn Sie bei Ihrer ersten Walbeobachtung keinen Meeresriesen vor die Linse bekommen, wird Sie die artenreiche Unterwasserwelt vor der Küste Südafrikas dennoch in ihren Bann ziehen.

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