von Romana Bleisch am 29. Dezember 2017
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Saftig grüne Hügel, mystische Täler, verwunschene Nebelwälder, tausendjährige Vulkane und faszinierende Bewohner – Ruanda ist eine kleine Perle im Herzen Afrikas und ein sicheres Reiseziel mit dem gewissen Etwas. Ruanda mag vielleicht im Schatten seiner Nachbarn Tansania, Kenia oder Uganda stehen, ist aber nicht weniger außergewöhnlich und eine echte Abenteurer-Destination. Begeben Sie sich auf die Spuren der seltenen Berggorillas, wandern Sie in einem der grünsten Länder der Erde durch endlose Kaffee- und Teeplantagen oder schließen Sie Freundschaften mit den äußerst herzlichen Einwohnern.

Lassen Sie sich vom „Land der tausend Hügel“ verzaubern!

Panorama auf Vulkane

Vulkan Nationalpark in Ruanda

Geografie

Ruanda liegt eingebettet zwischen Uganda, Tansania sowie Burundi. Im Westen bildet der Lake Kivu eine natürliche Grenze zur Demokratischen Republik Kongo (DRC). Das „Land der tausend Hügel“ liegt circa 1.200 Kilometer von der ostafrikanischen Küste entfernt und besteht größtenteils aus Hochland, welches in den nördlichen Vulkanbergen von 1.000 bis 4.507 Metern reicht. Grüne Hügel, Tee- und Kaffeeplantagen, unzählige Täler und Vulkane im Norden prägen das Landschaftsbild im östlichen Zentralafrika.

Park bei Sonnenuntergang

Foto: Maxime Niyomwungeri

Die Gesamtfläche Ruandas beträgt rund 26.000 Quadratkilometer und somit ist das Land kleiner als die Schweiz. Rund 10 Prozent des Landes besteht aus Nationalparks.

Der Mount Karisimbi ist mit 4.507 Metern der höchste Punkt Ruandas und einer der höchsten Berge Afrikas.

Geschichte

Bereits seit dem 15. Jahrhundert wird die Geschichte Ruandas durch den Konflikt zwischen den zwei größten Bevölkerungsgruppen, den Tutsi und den Hutu, bestimmt. Die Tutsi galten als Adels- die Hutu als Arbeiterklasse. Die Spannungen dieser Zweiklassengesellschaft wurden insbesondere durch die Kolonialherrschaft ab Ende des 19. Jahrhunderts intensiviert.

Brücke im Urwald

Nyungwe Nationalpark

Das einstige Königreich war von 1885 bis 1919 die Kolonie Deutsch-Ostafrika. 1922 übernahmen die Belgier und Ruanda blieb bis 1962 unter belgischer Hand. In der Zeit wurde auch der sogenannte Rassenpass eingeführt, der Tutsi und Hutu nach rassischen Merkmalen und die Tutsi als „bessere“ Gruppe definierte.

Modernes Gebäude in der Landschaft

Genocide Memorial Rwanda

Der Konflikt zwischen diesen beiden Gruppen intensivierte sich stetig. Am 1. Juli 1962 wurde das Land schließlich unabhängig, die Wut aber blieb. Rund 100.000 Tutsi wurden vertrieben, tausende Hutu im Gegenzug ermordet. Die Lage schien sich über Jahrzehnte zu beruhigen, bis das Fass in den 1990er Jahren schließlich überlief. 1994 war ein dunkles Jahr für Ruanda, denn beim schrecklichen Genozid fanden über 800.000 Tutsi und Hutu-Oppositionelle den Tod. Erst der Sieg der Partei Ruandische Patriotische Front im Sommer 1994 beendete den Genozid. Die Aufarbeitung dieses traumatischen Kapitels verläuft schleppend und bis heute warten noch tausende mutmaßliche Völkermörder in Ruandas Gefängnissen auf ihr Urteil.

Dass Touristen die Schönheit Ruandas wieder erleben können, ist der strengen Hand des Präsidenten Paul Kagame zu verdanken, welcher maßgeblich zur verbesserten Sicherheitslage in Ruanda beigetragen hat.

Wohnquartier in der Stadt

Die Hauptstadt Kigali gilt heute als eine der progressivsten, sichersten und saubersten Städte Afrikas.

Kultur

Religion

Aufgrund der Kolonialgeschichte praktizieren über 65 Prozent der Bevölkerung das Christentum. Die restlichen 35 Prozent folgen indigenen Religionen oder dem Islam.

Sprache

Kinyarwanda, Suaheli, Französisch und Englisch sind in Ruanda am meisten verbreitet, wobei Kinyarwanda die Nationalsprache ist und von nahezu der gesamten Bevölkerung gesprochen wird – eine Ausnahme in Afrika. Amtssprachen sind aktuell Englisch und Französisch.

Denkmal

Foto: Peter Feghali

Küche

Hauptnahrungsmittel in Ruanda sind Kochbananen, Mais und Knollengemüse wie Maniok oder Süßkartoffeln. Daraus wird beispielsweise Matoke, ein Gericht aus gedämpften Kochbananen, Ugali, eine Art Brei aus Mais und Wasser, oder Isombe, ein Mix aus Cassavablättern und getrocknetem Fisch, zubereitet und mit einer Soße aus Gemüse oder Bohnen gegessen.

Ugali mit Gemüse

Foto: Mark Skipper

Obwohl Ruandas berühmte Gorillas strikte Vegetarier sind, mögen die Menschen doch auch ein Stück Fleisch – Hühnchen, Lamm und Fisch kommen auf den Teller. Uragwa ist ein lokales Bier, welches aus fermentiertem Bananensaft und gerösteten Sorghumhirsen hergestellt wird.

Musik

In Ruanda tanzen die Menschen zu traditioneller Volksmusik, ostafrikanischem Afrobeat sowie kongolesischem Ndombolo. Eine der bekanntesten Gruppen ist Ballet National Urukerereza – traditionelle Dancemoves und rhythmische Trommelklänge!

Traditionelle Kleidung

Die Mode in Ruanda ist sehr farbenfroh und lebendig. Jedoch fließen auch hier immer mehr europäische Elemente ein.

Das traditionelle Outfit bei Frauen für festliche Anlässe ist die Mushanana. Es besteht aus einer Art buntem Tuch, das um den Körper gewickelt wird.

Tänzerinnen in traditioneller Kleidung

Foto: Fanny Schertzer

Tierwelt & Safari in Ruanda

Gorilla- und Schimpansen-Trekking sind definitiv das Highlight in Ruanda. Doch auch ein kleiner Nationalpark für eine klassische Safari hier im östlichen Zentralafrika.

Gorilla-Trekking im Vulkan Nationalpark

Einige der wenigen verbliebenen Berggorillas sind in den Wäldern des Vulkan Nationalparks zu Hause – besuchen Sie die faszinierenden Silberrücken!

Gorilla läuft durch den Wald

Schimpansen-Trekking im Nyungwe Forest Nationalpark

Begeben Sie sich auf die Spuren der Menschenaffen auf einem Schimpansen-Trekking. Auch andere Affenarten sowie zahlreiche Vögel nennen den Nyungwe Forest Nationalpark ihren Lebensraum.

Schwarz-weiß Aufnahme Chimpansen

Foto: Ryan Al Bishri

Akagera Nationalpark

Der Nationalpark im Osten des Landes ist die ruandische Antwort auf Safari in Kenia und Tansania. Die Landschaft hebt sich vom Rest des Landes ab und ist Heimat von Zebras, Giraffen, Elefanten & Co.

Giraffen im Busch

Foto: Abhishek Singh

Klima und beste Reisezeit

Ruanda ist eine Ganzjahresdestination und das Klima ist trotz Äquatornähe sehr mild. In tieferen Regionen herrschen im Durschnitt 20 Grad Celsius, am Lake Kivu bis zu 25 Grad Celsius und in den Virugna Bergen circa 17 Grad Celsius. Ab 3.000 Metern Höhe sinkt das Thermometer auf 8 Grad Celsius und weniger.

Blitzgewitter bei Nacht

Foto: Clinton Naik

Es gibt in Ruanda vier Jahreszeiten, nämlich zwei Regen- und zwei Trockenzeiten. Trockenzeit herrscht von Mitte Dezember bis Ende Februar und von Juni bis August. Dies ist auch die ideale Zeit für ein Gorilla- oder Schimpansen-Trekking.

Zwischen April und Mai kann es zu starken Regenfällen kommen, dafür sind weniger Reisende unterwegs und es ist einfacher, ein Permit für ein Gorilla-Trekking zu erhalten.

Infrastruktur

Der internationale Flughafen befindet sich in der Hauptstadt Kigali. Zudem gibt es in Ruanda eine Inland-Flugverbindung zwischen Kigali und Cyangugu, welche von RwandAir durchgeführt wird.

Der öffentliche Verkehr funktioniert in ganz Ruanda zuverlässig und effizient. In der Regel werden Überlandstrecken von Minibussen bedient und die Tickets können im Voraus gekauft werden.

Flugzeugflügel im Himmel

Foto: Ross Parmly

Abgesehen vom Akagera National Park kommt man im ganzen Land mit regulären Personenwagen voran. Im Nationalpark empfiehlt ein Geländefahrzeug. Wer nicht selber fahren möchte, kann ein Fahrzeug mit Fahrer mieten und so durch Ruanda reisen. Eine Zugverbindung gibt es nicht.

In Kigali kommt man am schnellsten und günstigsten mit dem Motorrad von A nach B.

Top-Attraktionen

Gorilla und Schimpansen Trekking

In den waldigen Virunga-Bergen leben die seltenen Berggorillas und im Süden kann man sich in den hügeligen Nebelwäldern auf die Spuren unserer nächsten Verwandten, den Schimpansen, begeben.

Gorillamutter mit Baby

Kigali

Die Hauptstadt besticht durch freundliche Bewohner und sichere Straßen. Besuchen Sie das Genocide Memorial und begeben Sie sich auf eine historische Reise.

Kigali

Foto: Ryan Faas

Lake Kivu

Gisenyi ist die Strand-Destination im Binnenland Ruanda. Genießen Sie entspannte Tage an der tropischen Küste oder beim Inselhüpfen um den Lake Kivu – ein äußerst beliebtes Ziel bei Einheimischen für ein authentisches Ruanda-Erlebnis.

Uferpromenade am See

Foto: Ryan Faas

Unterkünfte in Ruanda

Ruanda ist ein Reiseziel, das vom Massentourismus noch weitestgehend verschont geblieben ist. Spüren Sie den Puls des Kontinents auf einer authentischen Reise durch das Herz Afrikas. Hier geht es zu unseren Unterkunftstipps.

Reisen mit Kindern

Ruanda ist ein sicheres, fortschrittliches Land und daher gut für Reisen mit Kindern geeignet. Im Nyungwe Forest Nationalpark und im Akagera Nationalpark können kleine Naturforscher die Flora und Fauna erkunden oder sich auf die Spuren der Schimpansen, unserer nächsten Verwandten, begeben. Für Gorilla Trekkings im Vulkan Nationalpark gibt es eine Altersbegrenzung ab 15 Jahren.

Kinder spielen im Park

Foto: Robert Collins

Behalten Sie die Gesundheitsempfehlungen im Hinterkopf und bereiten Sie sich frühzeitig auf eine Reise nach Ruanda vor (siehe Abschnitt „Impfungen“).

Politik und Wirtschaft

Ruanda ist eine Verfassungspolitik. Amtierender Staatspräsident und damit Staatschef ist seit 2000 General Paul Kagame der Partei RPF. Die Partei steht für Einheit, Demokratie und Entwicklung.

Flagge Ruanda

Foto: Wikicommons

Ruanda ist eine der florierendsten Volkswirtschaften in Afrika und reiht sich in die Top 10 der weltweit am schnellsten wachsenden Ökonomien ein. Der Hauptsektor ist die Landwirtschaft, die rund 40 Prozent des Bruttoinlandproduktes ausmacht. Rund 13 Millionen Menschen leben hier.

LGBT-Reisen

Obwohl Ruanda in dieser Hinsicht weit liberaler ist als seine ost- und zentralafrikanischen Nachbarn, sind die Regelungen für gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht viel fortschrittlicher. Zwar nicht gesetzlich verfolgt, genießen homosexuelle Paare jedoch keinerlei Schutz – Homosexualität wird schlichtweg gar nicht bedacht oder thematisiert. Es gibt in Kigali vereinzelt gay-freundliche Lokale, am besten verbindet man sich aber über Onlineportale.

Gayflagge Ruanda

Foto: Darwinek

 

Einreisebestimmungen

Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz benötigen für die Einreise nach Ruanda aktuell ein Visum, welches seit Januar 2018 bei der Einreise am internationalen Flughafen in Kigali und verschiedenen Grenzübergängen eingeholt werden kann. Sie brauchen für den Visaantrag nebst verschiedenen offiziellen Dokumenten zwei Passfotos und ein gültiges Ausreiseticket. Zudem muss der Reisepass noch mindestens sechs Monate über das Ausreisedatum gültig sein.

Landkarten

Foto: Andrew Neel

Impfungen

Für die Einreise sind keine Impfungen vorgeschrieben, dennoch werden folgende Schutzimpfungen empfohlen: Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis, Masern und Hepatitis A. Wenn Sie aus einem Gelbfieber-Gebiet anreisen, benötigen Sie einen entsprechenden Impfnachweis. Bitte besprechen Sie sämtliche Impfungen sowie eine allgemeine medizinische Reisevorsorge immer mit Ihrem Arzt ab.

Bunte Pillen

Im ganzen Land einschließlich den Städten herrscht ein hohes Malariarisiko. Ab 2500 Metern Höhe nimmt das Risiko ab. Wir empfehlen die Mitnahme eines Notfallmedikamentes. Diese Angaben sind ohne Gewähr und die Gesundheitsbestimmungen für Ruanda können sich jederzeit ändern. Bitte suchen Sie vor Ihrer Abreise unbedingt einen Arzt auf und lassen Sie sich beraten! Weitere Informationen gibt es bei der Weltgesundheitsorganisation.

Neblige Landschaft bei Sonnenaufgang

Foto: Maxime Niyomwungeri

Wie hat Ihnen dieser Ausflug ins Land der tausend Hügel gefallen? Sind Sie bereits am Koffer packen? Wenn Sie noch weitere Informationen benötigen, schreiben Sie uns einen Kommentar oder kontaktieren Sie unsere Reiseexperten!

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