von Tina Zeinlinger am 3. Oktober 2018
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Der Brauprozess unseres afrikanischen Oktoberfests nach bayrischer Tradition ist voll im Gange! Auf der Suche nach unseren Wiesn-Zutaten Bier (Wasser), Musi (Gerste) und Speis‘ (Malz) sind wir in der Regenbogennation bereits fündig geworden. Ob wir auch bei unserem letzten essenziellen Rohstoff – den Madln (Hefe) –  Erfolg haben, wird dieser dritte und letzte Teil unsere Oktoberfest-Serie zeigen. Wir drücken den Herzbuam die Daumen!

Oktoberfest Zutaten

Zutat 4 (Hefe): Fesche Madln

Die Hefe wandelt Malzzucker in Alkohol sowie Kohlensäure um und bringt dabei die Bierwürze zum Gären. Der Zündstoff für unser Oktoberfest sind ganz klar die feschen Madln, denn sie bringen die Stimmung im Bierzelt erst so richtig zum Brodeln. Und ganz ehrlich – die Wiesn ohne Frauen in zünftiger Tracht wäre wie die Weißwurst ohne Senf – nackt und ungenießbar.

Mit dem Dirndl um die Welt

Es ist der Klassiker, sexy, weiblich und modisch: das Dirndl. Und es ist ganz und gar nicht leicht, das richtige zu finden. Nicht einmal in Deutschland. Während man in Bayern oft die Qual der Wahl hat, muss man in Südafrika etwas Geduld beweisen, bis man auf der Suche nach Bluse, Schürze und Unterrock fündig wird. Eigene Trachtenläden besitzt die Regenbogennation bis dato nämlich nicht. Im Zeitalter von Internet & Co ist das aber halb so schlimm, denn die populärsten Wiesn-Mode-Läden aus Deutschland beliefern über Onlineshops buchstäblich die ganze Welt. Neben Südafrika und Namibia machen sich die Pakete mit den zünftigen Outfits immer öfter auch auf den Weg nach Dubai oder in die USA. Fun Fact: Das Münchner Modelabel NOH NEE designt seit Kurzem bayrische Dirndl aus afrikanischen Stoffen.

Afrikanisches Dirndl

Foto: Attila Henning

Wer die bunten Stoffe seines Dirndls trotzdem lieber vor Ort fühlen will, kann auf den diversen Flohmärkten und Auktionen in Kapstadt, Pretoria oder Durban sein Glück versuchen. Auch die etlichen Secondhand-Läden im Kapstädter Studentenviertel Observatory sind oft eine wahre Fundgrube für dieser Orts exotische Teile wie das Dirndl. Entsprechend höher ist natürlich die Chance, bei einer der Charity-Veranstaltungen deutscher Gemeinden und Schulen mit dem passenden Oktoberfest-Outfit nach Hause zu gehen.

Zünftige Zopferl

So aufwendig es für südafrikanische Madln auch sein mag sich zünftig in Schale zu werfen, umso einfacher ist es für sie an die passende Flechtfrisur zu kommen: Afro-Hairshops jeder erdenklichen Größe gehören längst zum Straßenbild der City Bowl und auch in den Vororten der Mother City findet man die Manufakturen der einzigartiger Haarkunst an beinahe jeder Straßenecke.

Während man in Deutschland für die professionelle Wiesn-Frisur oft tief in die Tasche greifen muss, bekommt man die traditionellen Zöpfe auf afrikanischem Boden zum Spottpreis: Für umgerechnet rund 15 Euro geht man hier mit Cornrows, Goddess Braids, Fulani Braids, Crochet Braids, Box Braids und vielen weiteren Flechtvariationen nach Hause. Ob ein straffer, königlich geflochtener Dutt oder kunstvoll in Wellen gedrehte Zöpfe mit bunten Perlen – der Kreativität und der Ausgefallenheit sind keine Grenzen gesetzt! Alles ist möglich, sofern man geduldig auf seinem Friseurstuhl ausharrt und manchmal ein bisschen Ziepen aushält.

Oktoberfest Zöpfe afrikanisch

Wiesn-Frisur auf Afrikanisch

Schau genau!

Auch, wenn sich die Resultate doch sehr von ihren bayrischen Pendants unterscheiden, mangelt es ihnen nicht an Tradition: Je nachdem, wo an der Kopfhaut angesetzt wird, wie lang die Zöpfe sind, wie eng sie geflochten und welche Accessoires eingearbeitet sind, übermittelt die Haarpracht eine andere Botschaft. Die namibischen Himba oder südafrikanischen Zulu beispielsweise drücken mit ihren Frisuren neben Religion, Reichtum und Fruchtbarkeit auch den Familienstand aus.

Den Heiratsstatus also? Sieht so aus, als ob sich die Buam zumindest auf der afrikanischen Wiesn nicht nur am Dirndlknoten orientieren sollten – ein Blick auf die Flechtfrisur sagt anscheinend mehr als tausend Worte.

Die vier Oktoberfest-Zutaten – Bier, Musi, Speis‘ und Madln – scheint es also, wenn auch mit einem etwas exotischerem Touch, auch auf afrikanischem Boden zu geben. Was Sie daraus brauen, bleibt Ihnen überlassen. Nur so viel sei gesagt: Auf der Wiesn in Kapstadt oder Pretoria können Sie zumindest für ein Wochenende Ihr Safarizelt gegen ein Bierzelt austauschen.