von Romana Bleisch am 25. November 2017
6 min read

Der Sommer steht ganz im Zeichen von Genuss, Sonne und Glücksgefühlen. In Südafrika steht der Sommer zudem für entspannte Wochenenden in der Weinregion mit einem erfrischenden Glas Wein in der Hand. Eine Weinprobe im Kap-Weinland ist hier quasi Sonntagssport.

Wein ist Poesie in Flaschen – Wenn Sie in den eleganten Gärten der Weingüter rund um Kapstadt die edlen Tropfen degustieren, werden Sie dieser Redewendung sicherlich zustimmen.

Sie sehen sich nicht als Weinkenner? Keine Sorge – wir machen Ihre Geschmacksknospen fit für Ihre nächste Weinprobe im Kap-Weinland und verraten Ihnen, wie Sie den hiesigen Sommeliers Konkurrenz machen können.

Wir wünschen eine lehrreiche Lektüre!

Weinglas vor Weinberg-Kulisse

Foto: Kym Elis

 

Schritt 1: Die Umgebung

Eine Weinprobe sollte an einem Ort stattfinden, der möglichst geruchsneutral und frei von jeglichen Aromen ist, die Ihre Geschmacksknospen ablenken könnten. Alle äußeren Faktoren, die Ihre Wahrnehmung beeinflussen könnten, sollten vermieden werden. Die optimale Umgebung für eine Weinprobe sollte …

  • … gut beleuchtet sein, damit Sie die Farbe des Weins sehen können.
  • … frei von jeglichen Gerüchen sein, damit Sie sich dem Wein als Gesamtes hingeben können.

 

Außerdem:

  • Eine Weinprobe nur in sauberen Gläsern durchführen – neuer Wein, neues Glas.
  • Kräcker zwischen den einzelnen Weinen neutralisieren den Geschmack im Mund.
Sonnenuntergang in Kapweinland

Sonnenuntergang auf einem Weingut in Kap-Weinland

Weinberg bei Sonnenuntergang

Foto: Sven Wilhelm

 

Schritt 2: Die Optik

Normalerweise füllt man ein Weinglas für eine Probe mit circa 60 Milliliter des alkoholhaltigen Traubensafts, damit man das Glas auch neigen kann, ohne den Wein auszuschütten. Halten Sie das Weinglas schräg und vor einem weißen Hintergrund (zum Beispiel der Tischdecke). Wie sieht der Wein aus? Beurteilen Sie die Optik des Weins anhand folgender Kriterien:

  • Klarheit
    Ist der Wein eher trüb bis matt oder klar bis glänzend? Je klarer desto besser.
  • Farbtiefe
    Ist die Weinfarbe blass, an den Rändern eher hell oder satt bis opak?
  • Farbe
    Rotwein: Hellrot, Kirschrot, Purpurrot, Rubinrot, Granatrot und Dunkelrot
    Weißwein: Blassgelb, Strohgelb, Grüngelb, Goldgelb, BernsteinfarbenJunge Weißweine haben eine helle Farbe, die im Alter zunehmend dunkler wird und ins Goldgelb bis hin zu Bernsteinfarbe wechselt. Junge Rotweine besitzen eine tiefe, satte, zumeist mit violetten Reflextönen versehene Farbe, die im Alter zunehmend heller wird und mehr und mehr in Brauntöne übergeht.
  • Kirchenfenster
    Die langsam herablaufenden Schlieren oder Tropfen im Weinglas tragen den sonderbaren Namen „Kirchenfenster”. Je dichter die Kirchenfenster, desto konzentrierter ist der Wein – und alkoholreicher. Je langsamer die Kirchenfenster fließen, desto süßer ist der Wein.

Wichtig: Ablagerungen in der Weinflasche oder dem Weinglas deuten nicht auf die Qualität, sondern auf das Alter des Weins hin. Man nennt diese Ablagerungen auch Weinstein.

Weingläser im Sonnenlicht, Weinprobe im Kapweinland

Das Auge trinkt mit

 

Schritt 3: Der Duft

Zeit, wie ein Profi auszusehen! Halten Sie das Glas am Fuß und schwingen Sie es kreisförmig, damit sich die Aromen entfalten und Sie mit einem tiefen Atemzug daran riechen können. Mit ein bisschen Erfahrung können Sie so die Traubensorte und sogar die Herkunft der Traube herausriechen – Übung macht den Meister! Beurteilen Sie durchs Riechen folgende Kriterien:

  • Dufteindruck: Riecht der Wein schlecht? Riecht er klar? Sind störende Gerüche dabei?
  • Intensität: Zart, dezent oder ausgeprägt? Ist die der Geruch intensiv oder nicht?
  • Aroma: Können Sie würzige oder fruchtige Aromen herausriechen?
Traubenlese zur Weinherstellung

Foto: Maja Petric

Weinproduktion

Foto: Bianca Isofache

 

Schritt 4: Der Geschmack

Jetzt geht es zum besten Teil der Weinprobe und Sie können sich ein Schlückchen gönnen. Als Neo-Sommelier sollten Sie mit Weinen starten, die nur eine Traubensorte enthalten, um mit den charakteristischen Eigenschaften der Traube vertraut zu werden. Nippen Sie am Wein, lassen Sie die Flüssigkeit auf Ihrer Zunge zerfließen und spucken Sie ihn wieder aus – oder auch nicht. Atmen Sie tief ein und beurteilen Sie folgende Eigenschaften:

  • Süßegrad: Ist der Wein trocken, halbtrocken oder süß?
  • Körper (Mundgefühl): Wie sieht es mit der Weinfülle aus? Würden Sie den Wein als leicht, mittelkräftig oder kräftig beschreiben?
  • Geschmackssinn: Ist der Wein eher sauer, sodass sich Speichel im Mund bildet? Oder würden Sie ihn als süß, salzig oder bitter beschreiben?
  • Aromakreis: Können Sie fruchtige, würzige, blumige, nussige, erdige oder holzige Noten schmecken?
  • Abgang: Wie lange bleibt der Geschmackseindruck auf dem Gaumen? Je länger und schöner der Abgang (auch Finish, Finale, Nachhall, Persistenz und Schweif genannt), desto hochwertiger der Wein.

 

Schritt 5: Der Gesamteindruck und das Fazit

Zeit, den Wein als Gesamtes zu beurteilen. Fügen Sie Ihre Einschätzungen von Schritt 2 bis 4 zusammen und beurteilen Sie die Optik, den Duft und den Geschmack. Qualitativ hochstehender Wein ist ausgewogen, sprich keines der Kriterien ist dominant. Zudem hat ein guter Wein einen langen Abgang und eine harmonische Komplexität (Zusammenspiel der Aromen und Geschmäcker) sowie Intensität.

Weintrauben im Sonnenlicht

Foto: Thomas Schäfer

Weingut in Kapweinland

Weingut im Kap-Weinland

 

Punktevergabe

Wein wird in Europa in der Regel nach dem 20-Punkte-Schema bewertet. Die Punktevergabe ist wie folgt aufgeilt: Maximal drei Punkte für die Optik, sieben Punkte für die Duftqualität und zehn Punkte für den Geschmack. Anhand der erhaltenen Punkte folgt die Beurteilung:

  • 10 Punkte und weniger: Fehlerhafter Wein. (1 Stern)
  • 11 und 12 Punkte: Okay. Kaufen sollten Sie diesen Wein jedoch nicht. (2 Sterne)
  • 13 und 14 Punkte: Annehmbar. Passabel für ein Essen mit der Familie. (3 Sterne)
  • 15 und 16 Punkte: Guter bis sehr guter Wein mit eigenem Charakter. (4 stars)
  • 17 bis 20 Punkte: Sehr guter bis exzellenter Wein. Bei 20 Punkten handelt es sich gar um einen Jahrhundertwein! (5 Sterne)
Korken im Glas

Foto: Oscar Söderlund

Trauben in Weinreben

Foto: Thomas Verbruggen

Gängige Wein-Fehler (10 Punkte und weniger):

  • Korkgeschmack: Die Flasche wurde nicht sorgfältig geöffnet, der Korken ist alt und bröckelig oder Pilzbefall beim Korken, auch bekannt als Trichloranisol (TCA).
  • Oxydation: Der Wein ist fruchtlos und schmeckt wie Sherry. Ursache dafür ist zu viel Sauerstoffzufuhr bei der Gärung.
  • Lagerung: Der Wein wurde falsch, respektive zu warm gelagert und konnte nicht angemessen gären.

 

Der beste Ort um Ihr neu erlangtes Wissen anzuwenden? Das Kap-Weinland natürlich! Zahlreiche Weingüter sind rund um Kapstadt in die Landschaft eingebettet – edle Tropfen in spektakulärer Kulisse. Kontaktieren Sie unsere Reise-Experten, um mehr über einen Urlaub in den malerischen Weinbergen zu erfahren!

 

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